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Schilderung eines Praktikumstages |
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Mann, war ich müde! Heute ist wieder Montag und ich musste wieder um zehn nach sechs aufstehen. Eine Stunde früher, als wenn heute Schule gewesen wäre. Ich möchte wieder in die Schule! Ich hätte nie gedacht, dass ich so mal denken würde. "Und ich werde nie Altenpflegerin." Ich stand also widerwillig auf und ging ins Bad. Um die Zeit war nur meine Mutter wach. Ich ging in die Küche und frühstückte. Das heißt, ich zwang mich dazu, weil ich eigentlich noch gar keinen Hunger hatte. Aber die nächste Möglichkeit etwas zu essen war erst um ca. zehn Uhr. Und das war mir zu spät. Um kurz vor sieben kam "Eins Live Kirche" im Radio. Dort redete eine Frau über etwas, was mit der Kirche zu tun hat. Teilweise ist es ganz interessant. Aber ich finde, dass das gar nicht zu "Eins Live" passt. Dann musste ich auch schon los. Ich zog mir eine Regenjacke an und nahm einen Regenschirm mit. Es goss in Strömen. Ich "stiefelte" so schnell wie möglich zur U-Bahn Haltestelle. Wieder musste ich mir diese schreckliche Musik dort anhören. Sie ist noch schlimmer als ""Radio 4"! Ich fragte mich, ob sie die Leute damit foltern wollen. Die U-Bahn kam ausnahmsweise mal pünktlich um neun nach sieben, ein Glück! So musste ich mich nachher nicht beeilen zur Stadtmitte zu laufen. Sonst ist sie meistens ziemlich spät dran um diese Zeit. Ich fuhr bis Mülheim Hbf und lief zur Stadtmitte. Während dessen versuchte ich wach zu werden. Auf dem Weg dorthin kramte ich meinen Walkman raus. Typisch! Wie so oft streikte er und ich bekam ich ihn nicht zum Laufen. Inzwischen hörte es auf zu regnen. Nach ein paar Minuten kam die 110 Richtung Flughafen. Sie war mal wieder ziemlich voll. Ich war froh, noch einen Platz zu kriegen, und versuchte es noch einmal, den Walkman zum Laufen zu bringen (da ich ja ein hoffnungsvoller Mensch bin). Zum Glück schaffte ich es. Dann kam auch schon die Endstelle Flughafen. Ich stieg aus und überlegte, wie es wohl diese Woche werden würde. Wenn ich an die letzte Woche denke, kriege ich schon die Krise. Aber heute sollte ja Schwester Marie wiederkommen - dachte ich. Das war dann aber nicht der Fall, weil sie sich noch die ganze Woche lang hat krank schreiben lassen. Das hieß dann also noch eine ganze Woche Malochen ohne Ende. Im Dienstzimmer zog ich mich um und fing an, für die Bewohner Frühstück zu machen. Das gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich dachte mal wieder mit Grauen daran, dass jetzt wieder der ganze Kram von vorne anfängt. Aber ich versuche so gut zu arbeiten, wie ich kann. Leider fällt es dann oft schwer, allen gerecht zu werden. Und bei den Personalkürzungen fällt es noch schwerer. Und dann noch Schwester Marie, die schon seit letzte Woche Dienstag krank ist... Drei Bewohner saßen schon an ihren Plätzen. Ich schaute auf den Tischplan, was jede Person zu essen bekommt, schmierte Brote und goss den Bewohnern Kaffee ein. Frau K. beschwerte sich darüber, dass es keine Frühstückseier gab. Das ist immer so ein Problem mit den Leuten. Der Eine beschwert sich darüber, dass der Kaffee zu kalt ist, und der Andere darüber, dass das Frühstücksei zu klein ist und so weiter. Ich muss sie dann immer davon überzeugen, dass das alles so in Ordnung ist. Ich habe noch nie eine Frau mit solchen Stimmungsunterschieden erlebt wie Frau K. Manchmal ist sie richtig aggressiv und oft ist sie auch total lieb, als könnte sie keiner Fliege was zu Leide tun. Frau H., die ihr gegenüber sitzt, brachte ich das Frühstück und reichte es ihr an. Sie ist nämlich fast blind. Sie tut mir leid, denn geistig ist sie noch ganz gut dabei. Leider kriegt sie dann auch mit, wie ihr Körper immer schwächer wird und sie so gut wie gar nichts mehr unternehmen kann. Während ich ihr das Frühstück anreichte, jammerte sie. Ich fragte sie, was los sei. "Ach!", sagte sie, "ich muss ein wenig jammern." Sie machte eine kleine Pause, weil es für sie sehr anstrengend ist, zu reden. "Es ist jeden Tag derselbe Ablauf. Mir ist so langweilig." Ich verstand sie sehr gut. Den ganzen Tag sitzt sie in ihrem Rollstuhl da, und wartet die Mahlzeiten ab. Aber so wie ich es mitbekam, gibt es auch viele Sachen, die dort mit den Bewohnern unternommen werden. Zum Beispiel kommt einmal in der Woche ein Sozialarbeiter und macht eine Gesprächsrunde mit den Bewohnern im Wintergarten. Ich finde das sehr wichtig, dass der Geist der Leute ab und zu gefordert wird. Ab und zu sah ich eine Schwester oder einen Pfleger. Wir begrüßten uns. Ich musste zweimal nach unten in die Küche, um mir eine Wurstplatte und blaue Behälter für Abfälle zu besorgen, weil die Leute aus der Küche vergessen hatten, sie auf den Wagen zu stellen. Und zu guter Letzt hatten sie auch noch das Besteck vergessen. Daran merkt man, dass die Küche auch unterbesetzt ist - Tausende von Krankheitsfällen. Dass ich dauernd in die Küche runter musste wegen dieser Kleinigkeiten, war ganz schön nervig, weil ich unter Zeitdruck stand. Während ich oben in der Teeküche wieder zu Gange war, hörte ich, wie Frau He. zu ihrem Stuhl auf dem Gang gebracht wurde. Ich kenne diese Stimme schon sehr gut. Jeden Morgen, wenn sie gebracht wird, hört man sie sagen: "Ich kann nicht mehr. Wo gehen wir hin? Ich will in mein Bett." Sie hat Alzheimer und ist deswegen auch stark verwirrt. Ich finde diese Krankheit grausam. Und diese Frau ist nervig. Zwar kann sie nichts dafür, aber es geht den ganzen Tag so. Immer ruft sie dasselbe. Einmal, als ich an ihr vorbei ging, hatte sie auf einmal meine Hand geschnappt und wollte sie nicht mehr los lassen. Ich hatte mich total erschreckt und war erstaunt über die Kraft, die sie in diesem Moment entwickelt hatte. Immer wieder stellte sie sich mit Namen vor. Nach ein paar Minuten standen drei Bewohner um sie herum und kümmerten sich ganz süß um sie. Es war sozusagen eine "fünf Minuten Erlösung". |
Eh ich mich versah, war es schon 09.30 Uhr. Ich stellte mir etwas zu essen für die Pause zurück. Eine Putzfrau steckte sich, wie jeden Morgen, die restlichen Brötchen und das Schwarzbrot ein. Das ist ziemlich unüblich, aber die Sachen werden eh nachher weggeschmissen. Ich beeilte mich die Tische abzuräumen und den Wagen startklar zu machen, damit er rechtzeitig in der Küche war. Sonst würden sich die Leute aus der Küche wieder beschweren. Ich hatte es gerade noch geschafft und war froh, dass die Frühstückszeit endlich vorbei war. Nun konnte ich erst mal eine Pause machen, und selbst etwas essen. Die anderen saßen schon im Dienstzimmer. Jeder war ziemlich geschafft, weil sie momentan bis an ihre Grenzen arbeiten müssen. Ich besorgte mir mein Frühstück und setzte mich dazu. Die anderen konnten nicht lange bleiben und mussten schon bald wieder an die Arbeit. Norbert, der Stationsleiter, fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Ich sah wohl ziemlich geschafft aus, was ich auch war. Er meinte, dass ich schon wie eine richtige Kraft mitwirken würde und dass ohne mich auf der Station alles zusammengebrochen wäre und war sehr begeistert, dass ich hier sozusagen mein eigenes Ding durchziehen würde. Ich war sehr erfreut über dieses Kompliment. Aber dieser Job ist auch ganz schön anstrengend. Weil alle immer voll eingespannt waren, fand ich nie so den richtigen Zeitpunkt zu fragen, ob mir jemand bei einigen Fragen der Mappen helfen könnte. Doch der war jetzt da und ich erzählte ihm von den Mappen. Norbert meinte, dass das schon in Ordnung gehen würde. Ich war ziemlich erleichtert, weil ich mir seit Tagen schon darüber den Kopf zerbrochen hatte. Ich notierte mir noch ein paar Sachen für den Wochenplan und musste dann auch wieder los, um Getränke auf der Station zu verteilen. Das war wieder eine Arbeit, die ich lieber machte. Da konnte man ein wenig mit den Bewohnern reden. Am witzigsten finde ich, wenn ich zu Frau E. komme. Ich werde von ihr immer mit "Hallo! Mein Schatz!" oder "Guten Morgen! Meine Freundin!" begrüßt. Sie kriegt immer ganz große Augen, wenn ich ihr ein Glas Buttermilch eingieße. Wenn ich es ihr dann in die Hand drücke, bedankt sie sich bei mir, als hätte ich ihr die Welt geschenkt. Das hat mich aufgemuntert. Ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich ein Dankeschön oder ein Lächeln von einem Bewohner geschenkt bekomme. Ich sage das mal so, weil das viele Leute auf der Station gar nicht mehr realisieren können und geistig gar nicht mehr da sind. Ich musste auch auf den Zimmern die Wasserflaschen austauschen. In der ersten Zeit habe ich mich manchmal erschreckt, weil auf einigen Zimmern auch Leute liegen, die schon total abgebaut haben. Wenige liegen auch im Sterben. Als ich fertig war, brachte ich den Getränkewagen runter in die Küche und besorgte Geschirr und Besteck für das Mittagessen. Ich deckte die Tische und holte den Wärmewagen mit dem Mittagessen hoch. Um diese Zeit wurde unten in der Küche geputzt. Deswegen bekam ich den Wagen kaum von der Stelle geschoben. Schwester G. und Schwester P. teilten mit mir zusammen das Essen aus. Ich reichte Frau H. wieder das Essen an. G. bekam einen Lachanfall, weil die Neue ihr Essen immer wieder ausspuckte. Na ja! So lecker ist das auch nicht. Es war schon 13.40 Uhr. Das hieß, dass wir wieder zu spät dran waren. Normalerweise müssen sie bis 13.30 Uhr spätestens unten sein. Ich brachte also die Wagen runter und kriegte mal wieder was zu hören. Ich finde, dass sie das auch mal verstehen sollten, wenn ein Wagen manchmal etwas später unten ist als sonst. Ich nahm den Kaffeewagen mit nach oben und wischte die Tische ab. Die Bewohner wurden jetzt in ihre Zimmer gebracht, damit sie Mittagsruhe halten konnten. Ich musste noch Gläser und Tabletts spülen. Na toll! Am Spülbeckenrand häuften sich die schmutzigen Medizinpöttchen. Also ging ich noch mal in die Küche und besorgte mir saubere Raster. Oben im Dienstzimmer nahm ich die sauberen Medizinpöttchen heraus und sortierte in der Tee-Küche die schmutzigen wieder ein. Das ist etwas ekelhaft, weil dort teilweise noch ein Rest drin ist. Zuletzt decke ich noch den Kaffeetisch. Dann war Schichtübergabe. Es wurden sogenannte Handzeichen und Auffälligkeiten in die Karteien der Bewohner eingetragen. Bei der Schichtübergabe werden alle Bewohner durchgesprochen und gesagt, was gemacht wurde oder ob irgend etwas vorgefallen war. Um 14 Uhr konnte ich gehen. Ich war froh, dass ich jetzt den ganzen Tag frei hatte. Eine viertel Stunde später kam meine Bahn. Drinnen fing ich mit der Schilderung an. In der Stadt musste ich aussteigen. Es war schon eine Überwindung für mich wieder aufzustehen. Und dann fuhr mir auch noch der Bus vor meiner Nase weg. Theoretisch hätte der Busfahrer mich noch einsteigen lassen können. Aber das war wohl zu viel verlangt. Gefrustet lief ich durch die Stadt und nahm die U-Bahn. Zu Hause angekommen, aß ich erst mal etwas und setzte mich gleich an die Schilderung. Am Nachmittag ging ich mit meiner Mutter in die Stadt um nach einem Geburtstags- Geschenk für meinen Vater zu schauen. Es regnete mal wieder. Zum Glück fanden wir ein perfektes Geschenk. Für ihn etwas Passendes zu finden ist nämlich überhaupt nicht leicht. Den restlichen Tag verbrachte ich damit an der Schilderung zu arbeiten. Ich war ziemlich müde. Und ging daher auch früh zu Bett. Denn es grauste mir schon vor dem nächsten Morgen. |
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| Sibylla Wolfgarten, Klasse 9.1, Februar 2000 | ||