Wenn
ein Ausländer nach Deutschland kommt, besonders wenn es ein Südeuropäer
ist, dann ist er überrascht über so offensichtliche Unterschiede
wie das andere Klima, eine neue Kultur, die körperlichen Unterschiede
zwischen den Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, u.s.w.
Aber eigentlich sind es die kleinen alltäglichen Kleinigkeiten,
welche die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen kennzeichnen.
Unser erster Eindruck bei der Ankunft in unseren Gastfamilien war, dass
die Wohnungen im Allgemeinen größer, gemütlicher und
wärmer als unsere sind. Zum Beispiel sind die Böden häufig
mit Teppichen ausgelegt, so dass die Deutschen mit nackten Füßen
herumlaufen. In allen Schlafzimmern (denen der Kinder und denen der
Eltern) finden wir eine Vielzahl von Unterhaltungselektronik, wie z.B.
Fernseher, Videos, DVD, Computer, Musikanlagen, Play Station... In Sevilla
sind in den Wohnungen nicht so viele elektronische Geräte zu finden,
und sie sind auch viel kühler. Wir glauben, dass diese Unterschiede
darauf zurückzuführen sind, dass das Klima in Deutschland
kälter ist und das tägliche Leben sich stärker im Hause
abspielt. In Sevilla ist es viel heißer, und die Menschen tendieren
dazu, ihr Leben eher auf der Straße und nicht in den in den Häusern
zu verbringen.
Wir haben festgestellt, dass sich vor den Fenstern, auch wenn sie in
den unteren Etagen liegen, keine Art von Gittern befinden. Hier hat
man keine Angst vor Einbrechern, weil es, wie man ehrlicherweise sagen
muss, weniger Diebstähle als in Sevilla gibt.
Außerdem bemerkten wir, dass in den Geschäften, die Produkte,
die verkauft werden, auf den Straßen ausgestellt werden und niemand
darauf aufpasst. Es ist offensichtlich, dass die Ladenbesitzer ihren
Kunden vertrauen und sich nicht vor kleinen Diebstählen fürchten.
Beim Thema Zeit sind wir auch auf einige Unterschiede gestoßen.
An Werktagen stehen die Deutschen zum Beispiel viel früher auf,
zwischen 6:00 und 6:30 Uhr, während wir dies zwischen 7:00 und
8:00 Uhr tun. Der Zeitpunkt, zu dem wir ins Bett gehen, weicht zwischen
einer und zwei Stunden von dem der Deutschen ab.
Außerdem haben die Deutschen keine festen Essenszeiten, so war
es jedenfalls bei unserer Gastfamilie. Sie essen mehrmals am Tag eine
Kleinigkeit und nehmen nur eine große Mahlzeit zu sich.
Am ersten Tag in der Schule waren wir sehr überrascht über
die Größe der Gustav-Heinemann-Schule, in die etwa 1600 Schülerinnen
und Schüler gehen. Das ist fast das Dreifache der Schülerzahl
unseres Instituto San Isidoro. Wir haben auch Geräte und Räume
gesehen, die für uns total neu waren und die wir sonst nur in amerikanischen
Filmen gesehen haben. In der Gustav-Heinemann Schule gibt es bewegliche
Tafeln, Lautsprecher, eine große Turnhalle, ein Schwimmbad, eine
Mensa, in der man verschiedene Süßigkeiten, Brötchen,
Pizzas etc. kaufen kann.
Es gibt auch eine kleine Disco und den "Treff". Das ist ein
Raum, in dem sogar Billard Tische stehen. In den Fluren hängen
von den Schülerinnen und Schülern gemalte Bilder. Man hat
keine Angst, dass sie geklaut oder beschädigt werden könnten.
Es muss erwähnt werden, dass die Schülerinnen und Schüler
die Lehrpersonen und ihre Mitschüler mit Respekt behandeln. Wir
möchten auch hervorheben, wie sauber die Böden und die Schule
an sich sind. Dazu kann man nicht nur den Schülerinnen und Schülern
und denjenigen gratulieren, die für die Reinigung der Schule verantwortlich
sind, sondern den Deutschen im Allgemeinen, denn auch die Straßen
und Parks sind genauso sauber.
Es existieren Tausende kleiner Details im täglichen Leben, die
hier unmöglich alle aufgezählt werden können. Zum Beispiel
sind die Tastaturen der Computer unterschiedlich, weil die Spanier Buchstaben
haben, die die Deutschen nicht kennen und umgekehrt. Oder die Gärten
und die Dekorationen der Fensterbänke, wo wir eine Menge Gipsfiguren
finden konnten.
Aber
man gewöhnt sich schließlich an diese Dinge, die zwar die
Unterschiede zwischen uns zeigen, aber letztlich nicht wirklich wichtig
sind.