Tilman Riedel

 

Der Klassenfeind

 

Das Stück "Der Klassenfeind" von Nigel Williams handelt von sechs Jungen, die sich für einige Stunden allein in ihrem Klassenraum beschäftigen müssen, weil sich das Lehrpersonal nicht mehr in ihre Klasse traut. Nach einiger Zeit, in der zu Musik getanzt wird, verbarrikadieren die Schüler die Klassentür und zerstören ihre Tische und Stühle. Einer ihrer Klassenkameraden kommt erst jetzt aus einer Erziehungsanstalt in die Klasse zurück. Er wird begrüßt, hat jedoch nichts zu erzählen. Später beginnt die Klasse auf einen Vorschlag aus den eigenen Reihen hin selbst Unterricht zu geben.

Jeder versucht den anderen sein (geringes) Wissen bzw. Können zu vermitteln. Dies führt zwar nicht sofort bei allen zu Begeisterung, trotzdem nehmen alle sechs nach einigem Murren an dem Selbstversuch teil.

Zum Ende hin kommt es zum Kampf zwischen Iron, der keinen neuen Lehrer möchte, und Skylight, der durchaus Interesse an einem neuen Lehrer zeigt. Iron gewinnt und ist erschrocken darüber wie weit es mit ihnen gekommen ist. Zuletzt öffnet sich die Klassentür und ein helles Licht scheint in dem Klassenraum.

Alle werden ruhig und warten ab, was passieren wird.

 

Das Bühnenbild besteht aus einigen Schultischen und Schulstühlen, einem Pult, einer Tafel und einer Klassentür. Durch verschiedene Beleuchtungen werden Akzente gesetzt.

 

Die Personen

 

Snatch ist von seinem Hobby Scheiben einzuwerfen auch durch den Aufenthalt in Erziehungsanstalten nicht abzubringen. Er scheint als einziger aus seiner Klasse mit der Schule bereits abgeschlossen zu haben. Des weiteren ist er "sauber" gekleidet und von seinen Klassenkameraden akzeptiert.

 

Nippel ist sowohl körperlich als auch geistig nicht in der Lage sich selbständig zu präsentieren. Er braucht Iron als Vorbild und Unterstützer um Ideen zu entwickeln und sie in die Tat umzusetzen. Ohne Unterstützung (allein) fühlt er sich einfach nicht wohl.

 

Iron ist nach außen hin hart, hat aber einen weichen Kern. Er verprügelt Menschen und fühlt sich hinterher schuldig und keineswegs glücklich oder zufrieden. Von einem "ordentlichen" Unterricht verspricht er sich nichts. Im Gegenteil verweigert er sich dem gegenüber sogar.

 

Skylight pflegt zu Hause seine kranken Eltern. In der Schule wünscht er sich einen "starken" Lehrer mit dem er „neu“ beginnen kann. Ein neuer Lehrer könnte für ihn mehr sein als nur eine praktische Ergänzung. Er könnte einen Ersatz für die zu Hause nicht vorhandene Autoritätsperson darstellen, unter der S. wieder ein richtiges Kind sein könnte.

Er hat Schwierigkeiten mit Irons totaler Ablehnung bzw. Verweigerung einer vielleicht positiven Veränderung gegenüber.

 

Sweetheart macht den Clown. Hinter seinen Späßen verbirgt er seine Sehnsucht nach einem geordneten Unterricht. Er hofft ungebrochen auf einen Lehrer.

 

Racks lungert wie weggetreten in der Klasse herum. Wenn aber Krawall angesagt ist, scheint er aufzuwachen. Manchmal kann er auch sentimental werden.

 

 

In dem Stück „Der Klassenfeind“ von Nigel Williams geht es um sechs demoralisierte Jungen, die sich für einige Stunden allein mit sich selbst in ihrem Klassenraum (10f) beschäftigen müssen. Zu Beginn fällt es ihnen leicht sich mit Musik und  "Breakdance" die Zeit zu vertreiben. Im Laufe der Zeit werden ihre eigenen "gesellschaftlichen" Probleme jedoch immer deutlicher bzw. offensichtlicher. Und einer (Sweetheart) beginnt sich (nun doch) offen einen Lehrer zu wünschen.

Dieser soll eine "Überperson" sein, welche seine Probleme lösen bzw. ihn von diesen erlösen kann. Er stößt jedoch nicht nur auf Zustimmung seiner Klassenkameraden. Hier tritt Iron besonders hervor, welcher der rein körperlich stärkste unter den Schülern ist. Er lehnt den "Erlöser" ab und zeigt dies, indem er die Klassentür mit Tischen und Stühlen verbarrikadiert.

Aus Langeweile beschließen die Jungen dann selbst Unterricht zu geben. Nach einigem Murren kommt es auch tatsächlich dazu. Es werden jedoch keine schultypischen Themen behandelt, sondern jeder erzählt von seinem eigenen (wenn auch sehr bescheidenen) Können bzw. Wissen. So wird z.B. über Sex, Ernährung oder Gartenpflege gesprochen bzw. doziert. Meiner Meinung nach wird durch all dies deutlich, dass es für diese jungen Menschen keine "wirkliche" Freude mehr gibt, statt dessen wird ein ständiges Betäuben und Überdecken betrieben. Eventuelle "Rettungsversuche" (neuer Lehrer) werden nur halbherzig vertreten.

 

Der Titel?

 

Vielleicht stellt  er Klassenverband der 10f den Feind der Lehrerklasse dar. Unterstützt wird diese Theorie durch die Tatsache, dass sich kein Lehrer mehr in die Klasse der Gruppe (des Feindes) hinein traut.

 

Das  Zerstören des Klasseninventars hat meine eigenen Bedürfnisse teilweise widergespiegelt. Jedoch liegen meine Motive in weiten Teilen an anderer Stelle als hier dargestellt.

Außerdem hat mir in diesem Zusammenhang der Refrain aus dem Lied „just another brick in the wall“ von Pink Floyd, "we don't need no education ......  gut gefallen.