Um 18:30 Uhr war
der UNICEF Verkaufsstand mit diversen Köstlichkeiten, wie z.B. Kanapees
oder Häppchen, aufgebaut. Zur selben Zeit betrat auch eine ältere
Dame im türkisen Kostüm den Saal. Als dann um 19:00 Uhr Prof. Dr.
Uta Ranke – Heinemanns einleitende Worte begannen, wurden wir mit
ihren Lebensdaten vertraut gemacht. Die 72-Jährige ist nicht nur die
erste Frau, die in katholischer Theologie promovierte, sie ist auch
die erste Frau, die es schaffte, sich in diesem Fachgebiet zu habilitieren.
Darüber hinaus hatte ihr Fremdsprachen-interesse schon früh Auswirkungen
auf ihr Leben. Ihr Vater sagte damals zu seiner Frau: „Schau mal,
Hilda! Uta sitzt mit einer griechischen Grammatik unterm Christbaum.“
Momentan lernt sie ihre 12. Fremdsprache, Polnisch.
Trotz ihres Interesses
an katholischer Religion wehrte sie sich gegen die offizielle Definition
von Glauben. Sie fragt, warum man glauben sollte, was man ja wisse.
Aufgrund der Anzweiflung
der Jungfrauengeburt verlor sie 1987 ihren Lehrstuhl. Auch in ihrem
1989 verfassten Buch „Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche
und Sexualität“ wird dies verdeutlicht. Gegen den Übertritt zu katholischen
Kirche war ihr Vater entschieden. „Du kannst doch nicht Deinen Verstand
an einen Italiener abgeben“, so Gustav Heinemann 1947. Ebenso wollte
er ihre Freundschaft zu Edmund Ranke verhindern. Denn er konnte sich
nicht mit dem Gedanken an eine Mischehe seiner Tochter mit einem Katholiken
anfreunden, der außerdem eigentlich Mönch werden wollte. Durch ein
Referat zum Thema Mischehe bewies sie ihrem Vater ihre Hartnäckigkeit.
Somit setzte sie den von ihrem Vater geerbten Dickkopf durch und ging
ihren eigenen Weg. „Kindererziehung ist völlig überflüssig, die Kinder
werden doch wie die Eltern“, pflegte ihr Vater oft zu sagen.
Des weiteren nannte
man ihn wegen seiner Schweigsamkeit „Gustav den Kargen“. Seine Tochter
hingegen, war der Ansicht, dass ihr Vater voll Witz und Selbstironie
gewesen sei. Da er stets darauf achtete, seine Meinung zu vertreten
und sich nicht von der Außenwelt beeinflussen zu lassen, war er ein
Glücksfall für die deutsche Demokratie. Denn er verstand nicht, wie
Deutschland nach zwei verschuldeten Weltkriegen wieder aufrüsten konnte
und blieb aus diesem Grund standhaft gegen die Wiederbewaffnung.
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Er
war ein hilfsbereiter Mensch. Durch seine Anwaltskanzlei schaffte
er es, Menschen aus der ehemaligen DDR in den Westen zu schmuggeln.
Obwohl Heinemann die zweifache Doktorwürde erhielt und viele Ministertitel
wie den des Justiz- oder Bundesinnenministers innehatte, blieb er
dennoch ein einfacher Mensch. Beispielsweise verzichtete er auf ein
Haus oder Auto und trank Bier mit Bauarbeitern, die er besuchte, aus
der Flasche. Aus diesem Grund fühlten sich ihm auch Menschen, die
ihn nicht persönlich kannten, nahe. Dies und vieles mehr sprach für
seine Wahl zum Bundespräsidenten am 05.März 1969. Auch sein Durchhaltevermögen
gegen das Naziregime beeinflusste die Bevölkerung im späteren Verlauf.
Er versuchte zu verdeutlichen, wie viel man als einfacher Bürger in
einer Demokratie zustande bringen kann. Gustav Heinemann war einer
der wenigen, die sich während seines ganzen Lebens sehr für die Zukunft
von Schülern und Studenten interessierte und einsetzte.
Gustav
Heinemann ist zwar seit 24 Jahren tot, doch seine Tochter hat das
Gefühl, dass sie sich immer näher kommen würden. Uta Ranke – Heinemann
geht den Weg ihres Vaters weiter, was sie mit dem Besuch an unserer
Schule bewies. Dennoch gab es bei den Zuhörern einige Unstimmigkeiten
bezüglich der von ihr behaupteten Ähnlichkeit zu ihrem Vater. Wie
wir wissen, war Gustav Heinemann ein politisch engagierter Mann, Uta
Ranke - Heinemann dagegen wich jeder politischen Frage des Publikums
aus.
Wir, die Schüler
der Gustav – Heinemann - Gesamtschule, sind stolz darauf, eine Schule
zu besuchen, welche für Demokratie und Frieden steht. Darüber hinaus
sind wir der Meinung, dass kein anderer Name als dieser für unsere
Schule geeignet ist. Denn seine Worte, die er bei der Vereidigung
zum Bundespräsidenten sprach, lassen sich bedenkenlos auf unsere Schule
beziehen.
Abschließend möchten
wir uns noch bei der WAZ bedanken, die uns aufgrund dieses Artikels
DM 500,- als Spende an UNICEF zu Verfügung stellt. (Das hat leider
nicht geklappt – trotzdem möchten wir den Artikel hier in der Schule
veröffentlichen.)
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