Prof. Dr. Uta Ranke - Heinemann – eine Frau geht ihren Weg

Schüler und Lehrer der Gustav – Heinemann Gesamtschule trafen auf die Tochter des Namengebers

Anlässlich des 100. Geburtstages des ehemals dritten Bundespräsidenten fand am Abend des 3. Februar 2000 eine Veranstaltung im Gebäude der Gustav Heinemann – Gesamtschule statt. Uta Ranke – Heinemann, das erste der vier Kinder Gustavs, kam zu Besuch, um den Schülern und Lehrern die Möglichkeit zu geben, mehr über sie selbst und ihren populären Vater zu erfahren.

Um 18:30 Uhr war der UNICEF Verkaufsstand mit diversen Köstlichkeiten, wie z.B. Kanapees oder Häppchen, aufgebaut. Zur selben Zeit betrat auch eine ältere Dame im türkisen Kostüm den Saal. Als dann um 19:00 Uhr Prof. Dr. Uta Ranke – Heinemanns einleitende Worte begannen, wurden wir mit ihren Lebensdaten vertraut gemacht. Die 72-Jährige ist nicht nur die erste Frau, die in katholischer Theologie promovierte, sie ist auch die erste Frau, die es schaffte, sich in diesem Fachgebiet zu habilitieren. Darüber hinaus hatte ihr Fremdsprachen-interesse schon früh Auswirkungen auf ihr Leben. Ihr Vater sagte damals zu seiner Frau: „Schau mal, Hilda! Uta sitzt mit einer griechischen Grammatik unterm Christbaum.“ Momentan lernt sie ihre 12. Fremdsprache, Polnisch.

Trotz ihres Interesses an katholischer Religion wehrte sie sich gegen die offizielle Definition von Glauben. Sie fragt, warum man glauben sollte, was man ja wisse.

Aufgrund der Anzweiflung der Jungfrauengeburt verlor sie 1987 ihren Lehrstuhl. Auch in ihrem 1989 verfassten Buch „Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche und Sexualität“ wird dies verdeutlicht. Gegen den Übertritt zu katholischen Kirche war ihr Vater entschieden. „Du kannst doch nicht Deinen Verstand an einen Italiener abgeben“, so Gustav Heinemann 1947. Ebenso wollte er ihre Freundschaft zu Edmund Ranke verhindern. Denn er konnte sich nicht mit dem Gedanken an eine Mischehe seiner Tochter mit einem Katholiken anfreunden, der außerdem eigentlich Mönch werden wollte. Durch ein Referat zum Thema Mischehe bewies sie ihrem Vater ihre Hartnäckigkeit. Somit setzte sie den von ihrem Vater geerbten Dickkopf durch und ging ihren eigenen Weg. „Kindererziehung ist völlig überflüssig, die Kinder werden doch wie die Eltern“, pflegte ihr Vater oft zu sagen.

Des weiteren nannte man ihn wegen seiner Schweigsamkeit „Gustav den Kargen“. Seine Tochter hingegen, war der Ansicht, dass ihr Vater voll Witz und Selbstironie gewesen sei. Da er stets darauf achtete, seine Meinung zu vertreten und sich nicht von der Außenwelt beeinflussen zu lassen, war er ein Glücksfall für die deutsche Demokratie. Denn er verstand nicht, wie Deutschland nach zwei verschuldeten Weltkriegen wieder aufrüsten konnte und blieb aus diesem Grund standhaft gegen die Wiederbewaffnung.

 

Er war ein hilfsbereiter Mensch. Durch seine Anwaltskanzlei schaffte er es, Menschen aus der ehemaligen DDR in den Westen zu schmuggeln. Obwohl Heinemann die zweifache Doktorwürde erhielt und viele Ministertitel wie den des Justiz- oder Bundesinnenministers innehatte, blieb er dennoch ein einfacher Mensch. Beispielsweise verzichtete er auf ein Haus oder Auto und trank Bier mit Bauarbeitern, die er besuchte, aus der Flasche. Aus diesem Grund fühlten sich ihm auch Menschen, die ihn nicht persönlich kannten, nahe. Dies und vieles mehr sprach für seine Wahl zum Bundespräsidenten am 05.März 1969. Auch sein Durchhaltevermögen gegen das Naziregime beeinflusste die Bevölkerung im späteren Verlauf. Er versuchte zu verdeutlichen, wie viel man als einfacher Bürger in einer Demokratie zustande bringen kann. Gustav Heinemann war einer der wenigen, die sich während seines ganzen Lebens sehr für die Zukunft von Schülern und Studenten interessierte und einsetzte.

Gustav Heinemann ist zwar seit 24 Jahren tot, doch seine Tochter hat das Gefühl, dass sie sich immer näher kommen würden. Uta Ranke – Heinemann geht den Weg ihres Vaters weiter, was sie mit dem Besuch an unserer Schule bewies. Dennoch gab es bei den Zuhörern einige Unstimmigkeiten bezüglich der von ihr behaupteten Ähnlichkeit zu ihrem Vater. Wie wir wissen, war Gustav Heinemann ein politisch engagierter Mann, Uta Ranke - Heinemann dagegen wich jeder politischen Frage des Publikums aus.

Wir, die Schüler der Gustav – Heinemann - Gesamtschule, sind stolz darauf, eine Schule zu besuchen, welche für Demokratie und Frieden steht. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass kein anderer Name als dieser für unsere Schule geeignet ist. Denn seine Worte, die er bei der Vereidigung zum Bundespräsidenten sprach, lassen sich bedenkenlos auf unsere Schule beziehen.

Abschließend möchten wir uns noch bei der WAZ bedanken, die uns aufgrund dieses Artikels DM 500,- als Spende an UNICEF zu Verfügung stellt. (Das hat leider nicht geklappt – trotzdem möchten wir den Artikel hier in der Schule veröffentlichen.)

   

Janine Auberg, Katarina Nestorovic, Klasse 10.5, im Feb. 2000