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leben von Karl Feldkamp
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nicht viel aber
ein warmes bett
ein haus
eine heiße tasse tee
Die erste Strophe des Gedichtes beschreibt eine alltägliche Situation zu Hause. Sie strahlt Wärme (warmes bett... , heiße tasse tee ) und Geborgenheit aus, ebenso Ruhe.
eine geburt
ein tod
ein leben
leben
Wie ein Blitzschlag, ein eindeutiger Bruch folgt die zweite Strophe, bricht die Ruhe mit Gedanken wie Geburt und Tod, Anfang und Ende des Lebens, jene großen Fragen, von denen alles abhängt. " leben " wird als Frage in den Raum gestellt, die Frage "Was ist Leben?" wird gestellt. In den ersten beiden Strophen wird von einem haus, einem tod ... usw... gesprochen. Dies drückt die Allgemeinheit sowohl der ersten Situation als auch der zweiten Strophe aus, die die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, das Leben eines jeden.
bäume
wälder
wege
sich verlaufen
finden
Diese dritte Strophe beginnt mit bäumen , Symbolen des Lebens, die wachsen, sterben, sich verändern ( eine geburt - ein tod - ein leben ).
wälder ist eine Steigerung der bäume , aber ebenso ein Bild für die Welt oder Umgebung, in der man lebt, durch die Wege führen, auf denen man sich verlaufen kann, Fehler machen kann, bis man das findet, wonach man gesucht hat.
ich
du
viel wir
ein wenig ihr
und wenig jene
Die letzte Strophe ist viel persönlicher, nicht mehr allgemein, ein lyrisches "ich" taucht auf. Die Strophe beschreibt das Ergebnis des Findens - ( ich - du - viel wir )
Das lyrische Ich hat sich selbst und das du gefunden. wir ist nun sehr wichtig - wichtiger als alles andere. ihr und jene stehen am Ende, sind unwichtig und werden vom wir verdrängt.
Das Gedicht springt von einer alltäglichen Situation in die Frage nach dem Sinn des Lebens. Es erzählt von den wegen, die man gehen muss, auf denen man sich eventuell verlaufen muss um zu finden, man selbst und das du , also wir wichtig werden und der Rest unwichtig wird. Als stilistische Mittel kommen in dem Gedicht ständig Ellipsen vor, das ganze Gedicht besteht praktisch nur aus einzelnen Wörtern oder unvollständigen Sätzen, die trotzdem viel ausdrücken.
Das Wort leben ist zweimal im Gedicht zu finden, ein weiteres Mal in der Überschrift, aus dem Grunde, dass es Leben beschreibt, den Einbruch von Fragen über Geburt und Tod in eine ruhige Situation, Umwege. nicht viel wird zu viel wir, ein Gewinn, dadurch, dass das lyrische Ich gefunden hat nämlich das du. Das wenig im dritten und vierten Vers der vierten Strophe drückt die Nebensächlichkeit der Anderen aus. Aus ein wenig wird wenig, die Wichtigkeit wird abgestuft. ihr und jene" werden unwichtig, weil das lyrische ich gefunden hat - und lebt.
Clara Scholz, April 1999