Kleines Lexikon und Glossar zum Walser-Aufsatz "Unser Auschwitz" (1965) und zu ergänzenden Texten zur "Ermittlung" von Peter Weiss
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Ermittlung
Höß Rudolf (1900-1947) , Lagerkommandant des
KZ Auschwitz. Von 1934 bis 1938 arbeitete Höß in der Verwaltung des Konzentrationslagers
Dachau.Im Mai 1940 wurde er nach Auschwitz versetzt. Er wurde der eigentliche
Gründer des Lagers und später dessen Kommandant. Nach dem Zusammenbruch des
Reiches nahm er den Namen Franz Lang an und arbeitete bis 1946 in der Landwirtschaft.Im
März diesen Jahres wurde er erkannt, festgenommen und in Warschau zum Tode
verurteilt. Er wurde im April 1947 in Auschwitz erhängt.
Holocaust (von griechisch holocaustos, "völlig verbrannt", in übertragener Bedeutung: "Brandopfer", "Massenvernichtung"), aus der englischen Bibelsprache ins Deutsche übernommener Begriff, der allgemein die Tötung einer großen Zahl von Menschen - in der Regel durch Feuer - bezeichnet, dann aber speziell auf die Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten im Rahmen der sogenannten Endlösung übertragen wurde.
In Deutschland wurde der Begriff in den achtziger Jahren anhand einer ambitionierten amerikanischen Fernsehserie eingeführt und in offensichtlicher Ermangelung eines angemessenen deutschsprachigen Begriffs auf breiter Ebene akzeptiert. Wegen der begrifflichen Implikation des "Geopfertwerdens" ist die Bezeichnung Holocaust allerdings nicht unumstritten; passender erscheint zumindest den Angehörigen des Judentums das hebräische Wort "Shoa", das die Leiden des jüdischen Volkes in Vertreibung und Krieg bezeichnet.
Die Anfänge (1933-1935)
Bereits kurz nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten, ihr antisemitisches Programm in die Tat umzusetzen. Mehr als 50 zwischen April 1933 und September 1935 erlassene Gesetze verbannten die Juden aus dem öffentlichen Leben Deutschlands. Die akademischen Berufe, Schulen, Hochschulen sowie einflußreiche Positionen in Staat und Verwaltung waren ihnen nun verschlossen. Aufbauend auf einer vorher schon latent vorhandenen Judenfeindlichkeit kam es jetzt verstärkt zu - zum Teil organisierten - Übergriffen gegen Juden, so etwa ausgehend von Thüringen im Februar und März 1933, und bereits am 1. April 1933 riefen die Nationalsozialisten erfolgreich zum Boykott jüdischer Geschäfte auf.
Von den Nürnberger Gesetzen zur Reichspogromnacht ("Reichskristallnacht") (1935-1938)
Einen ersten Höhepunkt erreichte die nationalsozialistische anitsemitische Politik mit zwei Gesetzen vom September 1935, dem "Reichsbürgergesetz" und dem "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre". Diese Nürnberger Gesetze zielten darauf ab, den staatsbürgerlichen Status der Juden auf ein Minimum zu reduzieren und sie aus der Gesellschaft auszuschließen; gleichzeitig versuchte man, sie aus dem Wirtschaftsleben zu entfernen.
In den folgenden Jahren wurden jüdische Geschäftsleute enteignet bzw. die von emigrierenden Juden zwangsweise aufgegebenen Geschäfte und Wirtschaftsunternehmen an sogenannte "Volksdeutsche" übergeben, sprich "arisiert". Die Nürnberger Gesetze bildeten die rechtliche Grundlage für die nun folgende planmäßige Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges emigrierten noch etwa 315 000 Juden aus Deutschland. Danach war ein legales Ausreisen nicht mehr möglich. Zudem erschwerte die Eroberung der westlichen und nördlichen Nachbarländer (Frankreich, Niederlande, Dänemark) durch das Hitler-Regime spätere Fluchtpläne zunehmend. Auch hier erfolgten Deportationen durch die deutschen Besatzer bzw. die kollaborierende Verwaltung, etwa unter dem Vichy-Regime. Einige Länder (z. B. die Schweiz) wehrten sich auch gegen den anschwellenden Flüchtlingsstrom durch restriktive Einreisebestimmungen, denen im Ergebnis viele Juden zum Opfer fielen.
Die antijüdischen Aktionen kulminierten zunächst in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Im Verlauf der verharmlosend als Reichskristallnacht bezeichneten Ausschreitungen wurden jüdische Synagogen, Wohnungen, Geschäfte und andere Einrichtungen zerstört, 97 Juden kamen ums Leben. Im Anschluß wurden erstmals etwa 30 000 Juden in Konzentrationslagern interniert. Der ausgesucht schlechten Behandlung in diesen Lagern und den häufig sadistischen Ausfällen der Lagerkommandanten sowie der bei miserabler Ernährung und Unterbringung zu leistenden Zwangsarbeit fielen unzählige Menschen (neben rassisch verfolgten wie Juden und Roma und Sinti auch politische Häftlinge und Homosexuelle) zum Opfer ("Vernichtung durch Arbeit").
Die "Endlösung" im 2. Weltkrieg (1939-1945)
Mit der Besetzung einiger osteuropäischer Staaten zu Beginn des 2. Weltkrieges gelangte auch dort eine große Zahl von Juden in den Machtbereich der Nationalsozialisten. Die Juden per Druck zur Emigration zu veranlassen, schien den nationalsozialistischen Machthabern kein geeignetes Mittel mehr, um die angestrebte "Judenfreiheit" ihres Einflußbereichs zu erreichen. Statt dessen war die Ausrottung aller Juden, der flächendeckende Genocid, im Grunde bereits beschlossen.
Die polnischen Juden wurden daher in abgeriegelten Stadtvierteln, den Ghettos, in Warschau, Lodz, Krakau, Tarnow und Lublin unter unmenschlichen Verhältnissen auf engstem Raum festgehalten. Allein im Winter 1940/1941 starben infolge von Hunger, Durst und Seuchen im Warschauer Ghetto 20 Prozent der Juden.
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion vom 22. Juni 1941 nahm die systematische Ausrottung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten ihren Anfang. Die neu eingerichteten und dem Reichssicherheitshauptamt unterstellten Einsatzgruppen folgten dem deutschen Heer in den Osten und ermordeten dort annähernd eine Million Juden systematisch durch Erschießungen. Im Januar 1942 schließlich plante man auf der Wannseekonferenz die Tötung von geschätzten 14,7 Millionen Juden mittels Gas in Vernichtungslagern und begann augenblicklich mit der Umsetzung dieses Planes. Die in Güterwaggons herangeschafften Menschen wurden bei der Ankunft in den Lagern zunächst in Arbeitsfähige und unmittelbare Todeskandidaten vorsortiert. Unter dem Vorwand einer Desinfektionsmaßnahme wurden die Opfer mittels Zyklon B, das aus den Duschköpfen strömte, erstickt (vergast). Die ungeheuren Mengen an Leichnamen wurden schließlich in lagereigenen Krematoriumsöfen verbrannt.
Bevor die militärische Niederlage Deutschlands diese beispiellose Vernichtungsmaschinerie zum Stillstand brachte, starben fast drei Millionen Juden aus ganz Europa allein in den Vernichtungslagern Auschwitz, Chelmno, Belzec, Sobibór, Treblinka und Majdanek. Nach neuesten Schätzungen beträgt die Gesamtzahl der Opfer des Holocaust zwischen 5,3 und knapp über sechs Millionen Menschen. Die nach Kriegsende von den Alliierten und später der bundesrepublikanischen Justiz angestrengten Strafprozesse gegen die (zum Teil erfolgreich untergetauchten) Verantwortlichen ziehen sich teilweise bis in die Gegenwart. Um eine Ahndung sicherzustellen, wurde die sonst übliche Verjährungsfrist für diese "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" kurz vor deren Eintreten per Gesetz aufgehoben.
I.G. Farben war ein Zusammenschluss von acht großen Chemiekonzernen, unter ihnen Höchst, Bayer und BASF. Diese Firmen haben sich schon 1916 während des Ersten Weltkriegs zu einer Interessengemeinschaft vereinigt. Schon früh knüpfte die IG Farben Kontakte zu Hitler. 1937 wurden alle Juden aus dem Vorstand und Aufsichtsrat entfernt. Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Vorbereitungen für den Krieg wurde ein neues Werk in Auschwitz errichtet, nicht nur wegen günstiger Verkehrsbedingungen, sondern weil das Konzentrationslager Auschwitz die Arbeitskräfte von bis zu 10.000 Häftlingen versprach. Im Oktober 1944 arbeiteten etwa 21.000 Häftlinge, davon 9.600 Kriegsgefangene für die IG Farben. Hinzu kamen über 60.000 Fremdarbeiter.
Das in Auschwitz und Majdanek verwendete Zyklon B wurde von der Degesch hergestellt, an der die IG Farben maßgeblich beteiligt war. »Degesch« ist die Abk. für 'Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung'. Ihr Generaldirektor, Gerhard Peters, wurde in zwei Verfahren verurteilt, legte Berufung ein und wurde 1955 in Frankfurt freigesprochen.
«Nichts war ungesetzlich.» Die Einstellung von Zwangsarbeitern sei ihre «patriotische Pflicht» gewesen, Deutschland befand sich im «Kriegszustand». So argumentierten während der Kriegsverbrecherprozesse 1947 in Nürnberg die Direktoren der Firmen I.G. Farben, Krupp und Flick. Fünf Jahrzehnte war die deutsche Industrie nicht bereit, Verantwortung für ihre Beteiligung an den NS-Verbrechen zu übernehmen. Mal hiess es, «die Häftlinge seien der Industrie von der Regierung aufgezwungen» worden, dann wieder wurde behauptet, «unter den Zwangsarbeitern gab es keine KZ-Insassen und erst recht keine Juden» oder «wir bezahlten an die SS, und wer noch finanzielle Forderungen hat, soll sich an die Bundesregierung als den Nachfolgestaat wenden». In fast keinem Fall waren deutsche Grossunternehmen bereit, Entschädigungsansprüche zu akzeptieren. (Jüdische Rundschau (Schweiz))
BASF-Firmentext 1999: Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Damit beginnt eine Entwicklung, die auch die I.G.-Farben in die Verstrickungen mit dem NS-Regime geraten läßt. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 erzwingt die Umstellung auf die Kriegswirtschaft. In den Kriegsjahren wird ein erheblicher Teil der männlichen Werksangehörigen eingezogen. An ihre Stelle treten dienstverpflichtete Frauen, Kriegsgefangene und vom NS-Regime vor allem aus den besetzten osteuropäischen Gebieten verschleppte Zwangsarbeiter.
Idealismus Überordnung der Gedanken- und Vorstellungswelt
über die wirkliche; Streben nach Verwirklichung von Idealen. Der Idealismus
läßt sich am besten durch den Satz: “Ich denke, also bin ich” (Descartes,
wobei er kein typischer Vertreter des Idealismus ist, das Zitat passt ganz
gut ;-) ) charakterisieren, mit der Ergänzung: und alles andere müsst ihr
mir erstmal beweisen (übrigens auch, dass es euch überhaupt gibt).
Der Idealismus geht davon aus, dass nur das Subjekt (Ich) klare, unbestreitbare Existenz besitzt, die Objekte (Welt) werden als weniger wichtig angesehen.
Der Extremfall ist der subjektive Idealismus, der tatsächlich von der Nichtexistenz der Welt ausgeht und das Ich als einzige “Quelle” alles Existierenden ansieht. Die daraus folgenden
Probleme sind z.B.: warum muß ich in Interaktion mit der Umwelt treten, wenn diese nur meine eigene Illusion ist?, muß ich überhaupt in dieser Welt leben? etc...
Andere Strömungen des Idealismus gehen dahin, die objektive Welt als gegeben hinzunehmen (ohne endgültigen Beweis), diese aber als untergeordnet unter die Gesetze des menschlichen Geistes zu betrachten. Dabei wird aber jede Spekulation über Dinge der Natur, die nicht erfahrbar sind (man nicht “sehen” kann) als überflüssig angesehen: die Realität ist einfach vorhanden, also versuche ich zu verstehen, was unmittelbar gegeben ist alles andere (Gott) ist irrelevant oder bestenfalls Glaubenssache, kann aber niemals Gegenstand einer Untersuchung oder einer Debatte sein.
Eine bekannte Richtung des Idaelismus ist der Existentialismus, dieser bemüht sich, einen
Weg zu finden, dem individuellen Leben einen Sinn ohne Gott oder die Unsterblichkeit der Seele zu geben, wobei die Einsamkeit jedes Menschen als Setzung angenommen wird: ich kann niemals außerhalb meiner selbst irgendeine Antwort erhalten, die mein Leben erklärt.
(Roman Oertel)
Inferno sprachl. Ausdruck, der verwendet wird,
um etwas ganz Schreckliches zu bezeichnen, z.B. das Inferno des Krieges. Dante
gibt seinem ersten Kapitel der Göttlichen Komödie die Überschrift: L'inferno,
in der dt. Übersetzung: Hölle. Es ist die Schilderung der sündigen, völligen
Abkehr von Gott. Der Mensch macht im Inferno die Folgen seiner Verbrechen
durch. In atmosphärisch dichten Bildern schildert das Gedicht die aufsteigende
Reise des Dichter-Ichs durch die Hölle (L’inferno), das Fegefeuer (Il purgatorio)
und das Paradies (Il paradiso), die "schrecklich" beginnt und "glücklich"
endet. Damit wird die grausame Inschrift des Höllentores, durch das der Dichter
nach langem Zögern schließlich schreitet, um seine Reise zu beginnen ("Laßt
alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet"), vom Ende her wieder relativiert.
Darauf bezieht sich die Kritik Walsers in seinem Aufsatz »Unser Auschwitz«.
Siehe auch Paradiso -
Dante
Jargon Sondergruppensprache innerhalb bestehender Gesellschaftsschichten, auch: Vulgärsprache
Kaduk Oswald, Rapportführer, 1947 von sowjetischem Militärgericht zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, 1956 begnadigt, 1959 erneut in West-Berlin verhaftet, lebenslang Zuchthaus
Kant Immanuel, (1724-1804), Philosoph. Mit seiner Begründung des so genannten kritischen Idealismus avancierte er zu einem der einflussreichsten Denker der Neuzeit.
Siehe auch: Was ist Aufklärung?
Kant stellte grundsätzliche Regeln zur Betrachtung der Welt auf; er verwendete den größten Teil der bis dahin bekannten Denkmodelle
und erweiterte sie zu einer prinzipiell idealistischen, stark erkenntnistheoretisch geprägten Philosophie.
Grundsätzlich teilte er die Möglichkeiten der philosophischen Erkenntnisgewinnung in zwei Hauptbereiche ein: den der Natur und den der Freiheit.
Gemeint ist damit folgendes: die Natur meint bei Kant alles, was in der realen Welt objektiv (Vorsicht! objektiv heißt : auf das Objekt bezogen; in keinem Falle heißt es: absolut richtig, unabhängig vom Menschen, dafür sind die Begriffe "allgemeingültig" und "notwendig" reserviert!) erkennbar ist, also den gesamten Kosmos und auch die Gesetze, die in der Natur wirken (die nach philosophischem Verständnis weit über Naturgesetze [physikal., biolog.etc.] hinausgehen, Natur ist all das in der Realität Gegebene, was nicht vom menschlichen Geist geschaffen wird wie Ethik oder Kunst).
Kants revolutionäre Festlegungen waren, dass erstens die Art der Erkenntnis eines Objekts von der Beschaffenheit der menschlichen Sinneswahrnehmung (-organe) abhängt, d.h. eine Wahrheit im Sinne von: dieses Ding ist an sich so und so beschaffen, ist nicht erreichbar; man kann ausschließlich das beurteilen, was man sieht, die Art und Weise, wie uns das Objekt erscheint , ist zwar unveränderlich (durch die
notwendigen Prinzipien, mit denen der menschliche Erkenntnisapparat "arbeitet"), aber das heißt keineswegs, das wir das, was tatsächlich ist, das "Ding an sich" erkennen können.
Da man also wahre Aussagen über die Objektwelt nur bedingt machen kann, und über diese nur unvollständig erkennbaren Objekte hinaus absolut nichts wissen kann,
folgert er die Notwendigkeit, Wissenschaft und Metaphysik (Religion) streng voneinander zu trennen; wichtiger Grundsatz: Gott ist Glaubenssache und kann nicht bewiesen werden!
Die einzige Möglichkeit des Menschen, Erkenntnis über die Natur zu gewinnen, die notwendig und allgemeingültig ist, kann also nur eine sein, die unabhängig von der Wahrnehmung gewonnen werden kann: dies ist die Mathematik (synthetische Urteile à priori), die rein aus dem Anschaungsvermögen folgt. (Vorsicht: Wahrnehmung und Anschauung sind zwei völlig verschiedene Dinge; Wahrnehmung findet statt als Interaktion zwischen einem Objekt und dem wahrnehmenden Subjekt, Anschauung ist ein Abstraktes, unabhängig von der Welt existierendes menschl. Grundvermögen).
Aus dieser Festlegung folgt dann für Kant die Dringlichkeit der Festlegung einer Ethik unabhängig von Gott (Wenn Gott Glaubenssache ist, kann niemand verlangen seinen Geboten oder irgendeiner Moral, die sich von Gott herleitet, wie gottgewollte Könige etc., irgendeine Form der Verbindlichkeit beizumessen!). Damit kommen wir zur zweiten revolutionären Festlegung, die im kategorischen Imperativ mündet.
Im wesentlichen ist der Gedankengang der: Wenn es für die Naturbetrachtung notwendige und allgemeingültige Regeln gibt, und der Mensch trotz der prinzipiellen Unzulänglichkeit seines Erkenntnisapparates in der Lage ist, Naturgesetze zu finden, die absolut gültig sind, so ist er ein Wesen, das erstens frei denken kann (im Unterschied zum Tier) und zweitens vernunftbegabt ist.
Daraus leitet Kant die Verpflichtung des vernunftbegabten Wesens her, ein bindendes, wie die Mathematik unanfechtbares ethisches Prinzip aufzustellen, den kategorischen Imperativ: "Handele stets so, das die Maxime deines Handelns allgemeines Gesetz werden könnte."
Dieses ethische Prinzip ist ein teleologisches, das heißt, die Handlungen eines Menschen werden an einem allgemeinen Maßstab (der Zweck heiligt nicht die Mittel) gemessen, im Gegensatz zu der deontischen Ethik, die Handlungen am Effekt mißt (der Zweck kann die Mittel heiligen).
Diese Prinzipien leitet Kant ausschließlich (in einem extrem komplizierten Werk, der "Kritik der reinen Vernunft" aus der Beschaffenheit der Wahrnehmung (Erkenntnistheorie) her, ohne dabei ideologische Gründe zu benutzen, was eine gewaltige Leistung ist (zum Vergleich: die zehn Gebote und deren Anspruch auf Gültigkeit entspringen ausschließlich einer Ideologie: dem Christentum, einige Teile des modernen Rechtssystems bauen darauf auf; ein weiteres populäres Beispiel ist das Selbstmordverbot in modernen christlichen Gesellschaften).
Kants Theorien stellten eine gigantische Umwälzung des bestehenden Welt- und Menschenbildes dar, und so gut wie alle Philosophen berufen sich auf Kant (sowohl zustimmend als auch ablehnend); die Aufklärung verdankt ihre Kraft größtenteils Motiven und Begründungen, die auf Kant zurückgehen; seine Ideen waren in etwa so revolutionär wie es heute eine Theorie wäre, die hieb- und stichfest nachwiese, dass das Christentum die einzig maßgebliche und akzeptable Ideologie sei und jeder sofort sein Leben nach christlichen Maßstäben führen müsse (und jeder würde es dann tun!).
Ich möchte hier noch anmerken, dass dieser Text nur einen groben Grundriß des Kantschen Weltbildes darstellt, wichtige Zusammenhänge und Begriffe (transzendental, Urteile, à priori / à posteriori, synthetisch, analytisch, notwendig etc.; diese sind alle fest und endgültig definiert) habe ich ausgelassen oder nur rudimentär erklärt; wenn ihr mehr wissen wollt, schlagt einfach irgendwo nach. Übrigens sind die erwähnten Begriffe fester Bestandteil (seit Kant) der Geistes- Sozial- und der Naturwissenschaft sowie der Wissenschaftstheorie geworden, stellen also alles andere als überflüssige Spielereien dar.--
Übrigens war Kant auch ein hervorragender Astronom: Er erkannte die Existenz von Galaxien außer der unseren im Universum schon im 18. Jahrhundert, Einstein hingegen zweifelte bis in die fünfziger Jahre die Existenz solcher Galaxien an! (Roman Oertel)
Klehr Josef, Sanitäter und Desinfektor, bereits 1945 von amerikanischem Gericht zu 3 Jahren Arbeitslager verurteilt, lebenslang Zuchthaus
Kollektivschuld ein gegen eine Gruppe oder eine Gesamtheit für Verbrechen einzelner ihrer Glieder erhobener Schuldvorwurf. Die Annahme einer Kollektivschuld zielt auf die moralische Verantwortung einer Gesamtheit Der nach 1945 erhobene Vorwurf einer Kollektivschuld des deutschen Volkes für die Verbrechen des Nationalsozialismus blieb von Beginn an umstritten und galt bald als überwunden. In Deutschland wurde insbesondere die Mitverantwortung der Bevölkerungsmehrheit auf Grund ihrer Passivität gegenüber den nationalsozialistischen Verbrechen betont (z. B. Stuttgarter Schuldbekenntnis der evangelischen Kirche 1945), der Vorwurf einer Kollektivschuld des gesamten deutschen Volkes wurde jedoch abgelehnt. Neuerdings wird die These des Amerikaners D. J. Goldhagen (Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust ,1996), nach der der Holocaust in der antisemitischen Prägung der deutschen Kultur bereits angelegt gewesen und von den Nationalsozialisten lediglich umgesetzt worden sei, von Teilen der Öffentlichkeit in Deutschland als Vorwurf der Kollektivschuld interpretiert. (vgl. die Kollektivschuld-Thesen von K. Jaspers / Th. Heuss Ende der 40er Jahre)
Kommunisten/ Kommunismus (von lateinisch communis: gemeinsam) Mitglieder oder Anhänger einer kommunistischen Partei / des Kommunismus. Gesellschaftsmodell, in dessen Zentrum die Abschaffung des Privateigentums und seine Überführung in Gemeineigentum stehen. Unter Kommunismus wird außerdem die Gleichheit der Lebensbedingungen aller Gesellschaftsmitglieder verstanden.
Der Gedanke, dass die Existenz des Privateigentums eine gerechte Gesellschaftsordnung unmöglich mache, hat zahlreiche Philosophen dazu veranlasst, kommunistische Gesellschaftsutopien zu entwerfen, so etwa Platon in seiner Schrift Der Staat. Das Gemeineigentum ist auch für die utopischen Gesellschaftsentwürfe von Thomas More (Utopia, 1516) und Tommaso Campanella (Civitas Solis, 1623; Der Sonnenstaat) kennzeichnend. Urchristliche Gemeinden und Glaubensgemeinschaften des Mittelalters entwickelten ähnliche Vorstellungen und Praktiken, ebenso wie der so genannte Jesuitenstaat in Paraguay (1609-1769). Als explizite Gegenentwürfe zur herrschenden Gesellschaftsordnung entstanden kommunistische Utopien aber erst in der Folge der Französischen Revolution.
Das heutige Verständnis vom Kommunismus wurde entscheidend von Karl Marx und Friedrich Engels durch das 1848 erschienene Kommunistische Manifest geprägt. Vor der Russischen Revolution (1917) nannte sich keine größere Arbeiterpartei oder -organisation "kommunistisch".
Konzentrationslager [dieses Stichwort unterscheidet zwischen »KZ« und »Vernichtungslager«]
(Abkürzung KZ), gefängnisähnliche Einrichtung zur massenhaften Internierung von politisch und weltanschaulich mißliebigen Personen. Konzentrationslager im modernen Sinn wurden erstmals um 1895 im revolutionären Kuba errichtet, wo die spanische Kolonialmacht etwa 400 000 Bauern in befestigten Lagern internierte, und um die Jahrhundertwende im Zuge des Burenkrieges (Südafrika) als Massenlager für Gefangene. Am bekanntesten sind jedoch die unter der Herrschaft des Dritten Reiches in Deutschland und Osteuropa errichteten Konzentrationslager, die der planmäßigen Judenvernichtung dienten.
Sowjetische Konzentrationslager
Seit 1918 wurden in der Sowjetunion Konzentrationslager zur Internierung von Regimegegnern, Geistlichen, Kulaken und anderen als antikommunistisch eingestuften Personen eingerichtet. Ab 1919 bestanden zwei Lagertypen, die eigentlichen Konzentrationslager der politischen Polizei (Tscheka) und die Zwangsarbeitslager. Obwohl der Inhaftierung ein Gerichtsurteil zugrunde liegen mußte, blieben in der Praxis rechtsstaatliche Grundsätze häufig unbeachtet. Unter Stalin wurden im Zuge der Stalinschen Säuberungen in mehreren Wellen politisch und sozial mißliebige Personen abgeurteilt und in Lagern inhaftiert. Die Lager befanden sich oft in unwegsamen, abgelegenen Gebieten Sibiriens; zahlreiche Gefangene starben infolge von Kälte, Hunger und Überanstrengung durch Zwangsarbeit. Auch nach Stalins Tod 1953 wurden die sowjetischen Konzentrationslager in kleinerem Umfang weitergeführt.
Die nationalsozialistischen Konzentrationslager
Unmittelbar nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten
mit der Errichtung von Konzentrationslagern nach dem von Theodor Eicke für
das Lager Dachau entwickelten Konzept. In der Folgezeit entwickelte sich ein
weitverzweigtes Netz von Außenstellen und Nebenlagern, die organisatorisch
je einem Hauptlager zugeordnet waren.
Besonders nach 1937 wurden die Häftlinge systematisch als Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie arbeiteten sowohl für neugegründete Wirtschaftsunternehmen (I.G.)der SS als auch für Privatunternehmen, vor allem im Bausektor und in der Rüstungsindustrie. Unter der Parole "Vernichtung durch Arbeit" wurde ihre Arbeitskraft rücksichtslos ausgebeutet. Die Lebensverhältnisse in den Lagern waren unmenschlich; die Unterkünfte waren dürftig ausgestattete Baracken, Versorgung und sanitäre Verhältnisse waren völlig unzureichend. Gegen Ende des 2. Weltkrieges spitzte sich die Lage zu, als die Zahl der Häftlinge nochmals stark anstieg. Schätzungsweise 700 000 bis 800 000 von circa 1,6 Millionen Gefangenen starben in den Konzentrationslagern (ohne Vernichtungslager; diese miteingerechnet starb eine mindestens viermal höhere Anzahl von Menschen), vor allem an Hunger, Seuchen, Überanstrengung und den Mißhandlungen durch das Wachpersonal, viele auch an den Folgen von medizinischen Versuchen. Am grausamsten behandelte man die sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen und besonders die Juden.
Konzentrationslager nach 1945
Auch nach dem 2. Weltkrieg wurden in verschiedenen Teilen der Welt Konzentrationslager eingerichtet, so etwa unter den Militärdiktaturen in Chile und Griechenland sowie nach 1991 im jugoslawischen Bürgerkrieg.
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