Kleines Lexikon und Glossar zum Walser-Aufsatz "Unser Auschwitz" (1965) und zu ergänzenden Texten zur "Ermittlung" von Peter Weiss,
das sich im Laufe der Monate über das ursprüngliche Thema hinaus freundlich erweitert

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Es ist leider nicht zu vermeiden, dass in einem alphabetisch angelegten Glossar zu diesem Thema die Namen von Mördern neben den Namen von LyrikerInnen stehen.


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Ahasver (Latinisierung des hebräischen Achaschwerosch), im Buch Esther des Alten Testaments mit dem persischen König Xerxes I. identifiziert, dessen Versuch, Griechenland zu erobern, scheiterte. Nach der Legende ist Ahasver auch der Name des Ewigen Juden. Daniel 9, 1 (AT) berichtet von einem anderen Ahasveros, der der Vater von Darius dem Meder war. (Quelle: Encarta 99)

Antisemitismus , im 19. Jahrhundert entstandene profane Ideologie, die der Rechtfertigung des Hasses oder der Feindseligkeit gegen Juden dient. Dabei richtet sich der Antisemitismus anders als der hauptsächlich religiös gerechtfertigte Judenhass gegen alle Menschen jüdischer Herkunft, unabhängig davon, ob diese gemäß der jüdischen Religion leben oder nicht. In einer Bestimmung von Hannah Arendt ist Antisemitismus „genau das, was er zu sein vorgibt: eine tödliche Gefahr für Juden und nichts sonst. (Quelle: Encarta 99)

Auschwitz größtes nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager, circa 60 Kilometer westlich von Krakau in Polen gelegen. Es wurde im Frühjahr 1940 auf Befehl von Heinrich Himmler errichtet und diente sowohl als Arbeitslager als auch ab 1941 als Vernichtungslager. Geleitet wurde es nacheinander von den SS-Obersturmbannführern Rudolf Höss, Artur Liebehenschel und Richard Baer. Der Gesamtkomplex bestand aus drei Einzellagern. Das Stammlager (Auschwitz I) wurde zwischen Mai und Juli 1940 errichtet. Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) wurde im Winter 1941/1942 etwa drei Kilometer vom Stammlager entfernt errichtet; hier waren die meisten Gefangenen interniert. Auschwitz-Monowitz (Auschwitz III) wurde 1941 als Zwangsarbeitslager gebaut; dazu kamen noch 39 Außen- und Nebenlager. Eintreffende Häftlinge wurden zunächst in Auschwitz II "selektiert": Wer nicht arbeitsfähig war, wurde in der Regel sofort in einer der vier als Duschräume getarnten Gaskammern Birkenaus ermordet. Eine weitere Gaskammer befand sich in Auschwitz I.
Die arbeitsfähigen Gefangenen mußten für verschiedene deutsche Firmen, darunter die "IG Farben", bis zur völligen Erschöpfung arbeiten. Es gab kaum sanitäre Einrichtungen und Nahrung, die Häftlinge waren bis auf die Haut abgemagert, und Seuchen waren an der Tagesordnung. Insgesamt wurden Millionen Menschen, vor allem Juden, die Schätzungen reichen von 1,2 bis vier Millionen in Auschwitz ermordet, ehe russische Truppen das Lager am 27. Januar 1945 befreiten. Das Konzentrationslager Auschwitz ist heute Gedenkstätte.

Ausländer Rose, geboren am 11. 5.1901 im damals österreichisch-ungarischen Czernowitz (dem späteren rumänischen Cernauti, dem heutigen Chemovtsy) als Rosalie Scherzer, aus deutschsprachiger jüdischer Familie. 1919 Reifeprüfung und kurzes Literatur- und Philosophiestudium in Czernowitz. Anhängerin des Philosophen Constantin Brunner. Im April 1921 Auswanderung in die USA. Ab 1923 Bankangestellte in New York, nebenher dichterische und journalistische Tätigkeit. 1923 Heirat mit Ignaz Ausländer, von dem sie sich drei Jahre später wieder trennt. 1924 Bekanntschaft mit Alfred Margul-Sperber. 1926 amerikanische Staatsbürgerschaft. 1931 Rückkehr nach Czernowitz wegen Krankheit der Mutter. Sie lebt mit dem Graphologen Helios Hecht zusammen. Bis 1940 Redakteurin und Englischlehrerin. 1941 bis 1944 im Czernowitzer Ghetto, ab 1943 in Kellerverstecken. Sie lernt Paul Celan kennen. 1946 Bukarest. Sept. 1946 erneute Auswanderung in die USA. 1947 Tod der Mutter, körperlicher Zusammenbruch. 1948 Erneuerung der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Von 1950 bis 1961 Angestellte einer New Yorker Speditionsfirma. 1957 Europareise, Wiederbegegnung mit Paul Celan. Seit 1961 wegen Arbeitsunfähigkeit Rentnerin. 1963 Reise nach Wien und Israel. 1964 Rückkehr nach Europa, zunächst nach Wien. Zahlreiche Reisen in Europa und USA. Lebt seit 1965 in Düsseldorf, seit 1972 im Nelly-Sachs-Haus der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, seit 1978 ständig bettlägerig. 1984 erscheint der erste Band der "Gesammelten Werke", die 1990 mit dem achten Band abgeschlossen werden. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Dannstadt. Am 3.1.1988 in Düsseldorf gestorben.

Baretzki Stefan, lebenslang Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)

Bednarek Emil, Blockältester, lebenslang Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)

Boger Wilhelm, politische Abteilung, nach dem Krieg kfm. Angestellter in Stuttgart, lebenslang Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)

Broad Pery, polit. Abteilung, 4 Jahre Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)

Buchenwald eines der größten nationalsozialistischen Konzentrationslager in Deutschland. Das Konzentrationslager Buchenwald wurde im Juli 1937 errichtet und lag an einem waldigen Abhang des Etterbergs, acht Kilometer nördlich von Weimar in Thüringen.

Capesius Dr. Victor, Apotheker, 9 Jahre Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)

Celan Paul, wurde 1920 als Sohn deutschsprachiger jüdischer Eltern in Czernowitz geboren, der Hauptstadt der bis 1918 zu Österreich-Ungarn und danach zu Rumänien gehörenden Bukowina. (Die Bukowina war im 18. Jahrhundert ein Vielvölkerland, in dem Ukrainer, Rumänen, Juden, Deutsche,Polen, Ungarn, Huzulen, Lipowaner, Slowaken, Tschechen, Armenier und Zigeuner lebten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verzeichnete die Bukowina eine Bevölkerung deutscher "Nationalität" von ungefähr 20 Prozent der Gesamteinwohner. Fast drei Viertel dieser Deutschen waren jüdischer Religion.) Nach seinem Abitur im Jahre 1938 nahm er in Tours sein Medizinstudium auf, kehrte aber bereits im folgenden Jahr in seine Heimat zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1940 war die Bukowina sowjetisch geworden, aber schon 1941 nahmen sie rumänische Truppen mit Hilfe deutscher Soldaten wieder ein. Für die jüdische Bevölkerung richtete man daraufhin ein Ghetto ein. 1942 wurden die Eltern Paul Celans deportiert und kamen in einem Vernichtungslager am Bug (polnisch-ukrainischer Fluss) um. Der Dichter konnte zunächst fliehen, kam aber dann in das Arbeitslager Tirguliu. 1943 wurde Czernowitz wieder sowjetisch; Celan kehrte dorthin zurück und nahm im Herbst 1944 auch wieder sein Studium auf. 1945 reiste er aus der Sowjetunion aus, lebte für einige Zeit in Bukarest als Übersetzer und Verlagslektor, dann in Wien und ab 1948 schließlich in Paris. Seine ersten Gedichte wurden ab 1947 in Zeitungen veröffentlicht; 1948 erschien in Wien in einer Auflage von 500 Exemplaren der Gedichtband "Der Sand aus den Urnen", eine Ausgabe, die der Autor jedoch kurz darauf wegen vieler Druckfehler wieder zurückzog. Hier wurde auch zum ersten Male das Gedicht "Todesfuge" gedruckt und Edgar Jenos Illustration des Werkes veröffentlicht. Für seine weiteren Arbeiten erhielt der Lyriker zahlreiche Ehrungen, 1958 den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, 1960 den Georg- Büchner-Preis und 1964 den Preis des Landes Nordrhein-Westfalens. 1970 schied Paul Celan in Paris freiwillig aus dem Leben.
Paul Celan hat sich immer geweigert, sein Gedicht "Todesfuge" öffentlich vorzutragen.

Chargen militär. Dienstgrade; bei Walser keine neutrale Dienstgrad-Beschreibung von Soldaten, sondern verachtend gebraucht und onomatopoetisch (lautmalend) in die Nähe des Wortes »Schergen« gesetzt (= Gewalttäter im Auftrag eines diktatorischen Regimes) ; zugleich Hinweis auf die subtil gestaffelte Hierarchie der Mörderkommandos der SS in Auschwitz.

Czernowitz (siehe auch: Celan) In ihren autobiographischen Aufzeichnungen hat Rose Ausländer mehrfach darauf hingewiesen, daß das soziale Umfeld und die geistige Atmosphäre ihrer Heimatstadt Czernowitz in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Bukowina entscheidenden Einfluß auf das Zustandekommen ihres Werkes gehabt haben: "Warum schreibe ich? Vielleicht weil ich in Czernowitz zur Welt kam, weil die Welt in Czernowitz zu mir kam. Jene besondere Landschaft. Die besonderen Menschen. Märchen und Mythen lagen in der Luft, man atmete sie ein. Das viersprachige Czernowitz war eine musische Stadt, die viele Künstler, Dichter, Kunst-, Literatur- und Philosophieliebhaber beherbergte." In der abgelegenen Provinzstadt, fern von Wien und Berlin, den Zentren deutschsprachiger Kultur, beschäftigten sich die jungen Leute in ihren Debattier- und Lesezirkeln um so begieriger mit geistigen Dingen, als die materielle Armut und Abgeschiedenheit ihres Lebens ihnen die Teilnahme an den Reizen und Entdeckungen der großen Welt verweigerten. So war Rose Ausländer seit ihrer frühesten Jugend der Literatur nahe. Doch die zitierten Hinweise enthalten nur die halbe Wahrheit. Ebenso wichtig für ihre Selbstfindung als Dichterin ist die von ihr verschwiegene Tatsache, daß sie schon im April 1921 mit zwanzig Jahren ihre Geburtsstadt verließ, in die USA auswanderte und sich ein Jahr später für ein ganzes Jahrzehnt in New York etablierte. Auch dies eine vielsprachige Stadt, doch mit all der Fremdheit und Exotik, die dieser Megalopolis des zwanzigsten Jahrhunderts anhaftet; auch hier Märchen und Mythen vieler Völker in der Luft, doch zugleich die Härte der Millionenstadt mit ihrer überwältigenden Hochhausarchitektur. Vieles spricht dafür, daß Rose Ausländer erst in dieser Fremde, deren Alltagsmisere die kleine Bankangestellte ungeschützt ausgesetzt war, als Dichterin zu sich selbst gekommen ist. Ihre frühesten Gedichte, von denen einige in ihrem ersten Gedichtband "Der Regenbogen" (1939) publiziert wurden, waren noch in der Erneuerung romantischer oder Rilkescher Redeweisen befangen gewesen, so das Gedicht "Wir sind verbrüdert" von 1923: Die dunklen Nebel die der Tag gesponnen, sind in der lichtentbundenen Nacht zerronnen. Ich höre wieder, was der Wald uns flüstert: Wir sind verbrüdert und wir sind verschwistert. Mein Herz kann mit der Zeit, der bösen, brechen, und mit den Dingen wie mit Engeln sprechen. Erst als sie ihre neue großstädtische Umwelt bewußt ins Gedicht aufnimmt, gelingt ihr der eigenständige Ton. Die Gedichte des Zyklus "New York", die 1926/27 entstanden sind und im Jahre 1932 zum Teil in der Czernowitzer Zeitung "Tag" veröffentlicht wurden, lassen zwar noch eine formale Abhängigkeit von der Großstadtlyrik der Expressionisten erkennen - eines der Gedichte ist sogar in direkter Anlehnung an Georg Heym "Der Dämon der Stadt" betitelt -, dennoch ist die Schilderung des sozialen Elends und der Härte des Alltagslebens von einem Realismus, den man in den gleichzeitigen Amerika-Gedichten Bertolt Brechts vergeblich suchen würde.

 

Ich seh sie nackt, ich seh die,Bowery':
die Menschen liegen dort wie stumpfes Vieh
und König Alkohol ist dort zuhaus
mit seinem Hofstaat: Hunger, Pest und Laus.
Vom Fusel ausgebrannt, stürzt hin ein Weib
und deckt ein Stückchen Pflaster mit dem Leib.
Der Ordnungshüter scharrt den Großstadtfleck
verächtlich wie ein Häufchen Dreck hinweg.


Dante Alighieri ital. Dichter (1265 bis 1321), schrieb Anfang des 14. Jh. die "Göttliche Komödie" ("Divina Commedia"). Siehe auch - Inferno - Purgatorio - Paradiso
Walser bezieht sich mehrfach auf die Kapitel-Überschriften der "Göttlichen Komödie" und deren (bewusstlose bzw. irreführende) Verwendung in der Zeitungs- und Alltagssprache.

Drittes Reich ursprünglich ein Begriff aus dem religionsphilosophischen Bereich, im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung für die nationalsozialistische Diktatur der Jahre 1933 bis 1945. Der Begriff wurde von den Nationalsozialisten propagandistisch verwendet, um ihr Reich in die Kontinuität des Heiligen Römischen Reiches, des ersten Reiches, und des Deutschen Kaiserreiches, des zweiten Reiches, zu stellen. Die Weimarer Republik galt als Zwischenreich. Im Juli 1939 verbot das Propagandaministerium die weitere Verwendung des Begriffes Drittes Reich, da Gegner des nationalsozialistischen Regimes den Ewigkeitsanspruch des Dritten Reiches in dem Begriff des "vierten Reiches" persifliert hatten.

Eichmann Adolf, (1906-1962), deutscher SS-Obersturmbannführer. Eichmann trat 1932 der NSDAP und der SS (Schutzstaffel) bei; 1934 wurde er Referent für jüdische Fragen beim Hauptamt des Sicherheitsdienstes in Berlin, 1938 Chef der "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" in Wien und 1939 des entsprechenden Amtes in Prag. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt und war hier für jüdische Angelegenheiten wie "Auswanderung" und "Räumung", also praktisch die Deportation und Enteignung der Juden, zuständig. 1942 nahm er an der Wannseekonferenz teil, auf der die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen wurde. In der Folge war Eichmann als Organisator (erstellte die Fahrpläne) für die Deportation von Millionen von Juden in die Vernichtungslager verantwortlich. Bei Kriegsende tauchte er unter; 1960 spürte ihn der israelische Geheimdienst in Argentinien auf und entführte ihn nach Israel. Hier wurde er vor Gericht gestellt, am 15. Dezember 1961 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen das jüdische Volk zum Tod verurteilt und am 1. Juni 1962 hingerichtet.
1963 erschien in New York Hannah Arendts Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil (Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, 1964), in dem sie, gestützt auf die Gerichtsprotokolle, über den Jerusalemer Prozess berichtet. Heinar Kipphardt verarbeitete, ebenfalls anhand der israelischen Protokolle, die Person Eichmanns und den Eichmann-Prozess 1982 in seinem Schauspiel Bruder Eichmann.

Esther , eines der Bücher des Alten Testaments. Das Buch, das im dritten Teil des hebräischen Kanons steht, war eines der letzten Bücher, das sowohl von den Juden wie auch von den Christen in den Kanon der Bibel aufgenommen wurde. Das Buch Esther beschreibt die Errettung der persischen Juden vor ihrem Untergang und gibt eine Begründung für das Purimfest, das an dieses Ereignis erinnern soll. Esther war eine jüdische Waise und wurde von ihrem älteren Vetter Mordechai aufgezogen. Von dem König Ahasver (Xerxes I.) wurde sie als schönste Jungfrau des Perserreiches ausgewählt, um anstelle der verbannten Königin Vashti seine Gemahlin zu werden. Da sich Mordechai weigerte, Haman, dem ehrgeizigen obersten Geistlichen des Königs, Anerkennung zu zollen, plante dieser, sich an Mordechai und seinem gesamten Volk zu rächen. Mit der Begründung, dass die Juden die Gesetze des Königs missachteten, gelang es Haman, den König zu einem Erlass zu überreden, der auf die Vernichtung der Juden abzielte. Daraufhin beschwor Mordechai Esther, Ahasver zu einer Widerrufung des Erlasses zu bewegen. Auf die Gefahr hin, wegen ihres unaufgeforderten Erscheinens vor dem König hingerichtet zu werden, schilderte Esther ihrem Gemahl Hamans Intrigen, woraufhin dieser Haman hängen ließ und Mordechai zum geistlichen Oberhaupt erklärte. Der Erlass wurde schließlich vom König umgekehrt, und er erlaubte den Juden, alle ihre Feinde im ganzen Reich zu töten. Daraufhin zogen sie zu einem blutigen Rachezug aus, und Mordechai und Königin Esther erklärten das Purimfest zum Feiertag der jüdischen Errettung. Die Schilderungen im Buch Esther über die Rettung der Juden vor den Verfolgungen in Persien enthalten nur sehr wenige historisch gesicherte Ereignisse, die in die Regierungszeit Xerxes’ I. fallen. In seiner heutigen Form ist das Buch in erster Linie ein weltlicher Geschichtsroman, in dem ein starker jüdischer Patriotismus zum Ausdruck kommt. Auch wenn der Name Gottes nicht genannt wird, so handelt das Buch doch von der göttlichen Führung in der Geschichte. Neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge entstand das Buch Esther im 2. Jahrhundert v. Chr. Aufgrund seines rachsüchtigen und weltlichen Charakters waren frühe jüdische Kommentatoren nicht bereit, das Buch in den hebräischen Kanon aufzunehmen. Als Zugeständnis an seine Beliebtheit beim Volk und als Begründung für den Ursprung des Purimfestes wurde es schließlich doch akzeptiert. Die griechische Version des Buches Esther enthält 107 zusätzliche Verse, die in der hebräischen Urfassung nicht vorhanden sind. Sie wurden im Griechischen im 1. Jahrhundert v. Chr. hinzugedichtet, um der Geschichte einen religiöseren Charakter zu verleihen und sie der Lage des jüdischen Volkes besser anzugleichen. In den protestantischen Bibeln wurden diese Abschnitte als gesondertes Buch den Apokryphen des Alten Testaments beigefügt. In den meisten Ausgaben der katholischen Bibel ist das Buch in seiner ursprünglichen Fassung enthalten. (Quelle: Encarta 99)

Ewiger Jude, Hauptfigur einer Legende über einen Juden (Ahasverus, Ahasver), der Jesus Christus auf seinem Gang zum Kalvarienberg eine Ruhepause in seinem Haus verweigert, wahrscheinlich angeregt durch das Motiv des Kriegsknechtes Malchus aus dem Johannesevangelium (Joh. 18, 4-10). Er wird dazu verdammt, ruhelos umherzuwandern, bis Jesus wiederkehrt. Verschiedene Versionen des Motivs erschienen ab dem 13. Jahrhundert in italienischen Quellen und verbreiteten sich in den folgenden Jahrhunderten über den ganzen Mittelmeerraum. In einem Werk mit dem Titel Kurtze Beschreibung und Erzehlung von einem Juden mit Namen Ahasverus aus dem Jahr 1602 wird dieser namentlich genannt. Ende des 18. Jahrhunderts und besonders in der Romantik war der Ewige Jude ein häufiges Motiv in Epik, Dramatik und Lyrik, u. a. bei Goethe, Wordsworth, August Wilhelm Schlegel, Clemens Brentano und Eugène Sue (1844-1845, Der Ewige Jude). Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Sinnbild des Schicksals des jüdischen Volkes umgedeutet, erscheint Ahasver danach auch im Zusammenhang mit dem aufkommenden Antisemitismus. (Quelle: Encarta 99)

Zu dem Propagandafilm gleichen Namens der Nazis siehe den Beitrag von David Feldmann

Faschist / Faschismus im engeren Sinn die Eigenbezeichnung der politischen Bewegung, die unter der Führung von Benito Mussolini 1922 in Italien die Macht übernahm, sowie für das von dieser Bewegung bis 1945 aufrechterhaltene Herrschaftssystem; im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff Faschismus alle politischen Bewegungen und Herrschaftssysteme mit extrem nationalistischer, antidemokratischer und antikommunistischer Ideologie und autoritären Strukturen, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden, vor allem den deutschen Nationalsozialismus unter Adolf Hitler.
Der Begriff leitet sich ab von lateinisch: fasces, italienisch: fascio, der Bezeichnung für das im antiken Rom von den Liktoren als Symbol der umfassenden Amtsgewalt der römischen Magistrate - dazu gehörten das Recht auf Züchtigung und die Verhängung der Todesstrafe - getragene Rutenbündel mit Beil; ab 1926 war das Rutenbündel in Italien offizielles Staatssymbol.
Merkmale des Faschismus : Der Faschismus ist keine geschlossene Ideologie und deshalb als Begriff unscharf. Ein zentrales Merkmal der faschistischen Organisationen ist die streng hierarchische Ausrichtung am Führerprinzip; an der Spitze der faschistischen Bewegung bzw. des faschistischen Staates steht der Führer (italienisch: Duce). Des Weiteren mythisieren die faschistischen Bewegungen die Volksgemeinschaft, verabsolutieren das jeweilige nationale Eigeninteresse und verherrlichen und verklären die Geschichte des eigenen Volkes; aber obwohl dezidiert nationale Bewegungen, hatten die faschistischen Parteien Mussolinis und Hitlers auch Vorbildcharakter für ähnlich gerichtete Bewegungen im Ausland. Ein weiteres gemeinsames Merkmal der verschiedenen faschistischen Bewegungen ist der Totalitarismus, d. h. ihr Ziel ist die Errichtung einer faschistischen Einparteiendiktatur, in der die herrschende Partei Staat und Gesellschaft vollkommen unter ihrer Kontrolle hat und in dem alle Merkmale eines demokratischen Verfassungsstaates fehlen.
Der faschistische Staat war als Gesellschaft jenseits von sowohl Kapitalismus wie auch Klassenkampf gedacht, die auf der Volksgemeinschaft basiert, in der Minderheiten ethnischer, religiöser oder politischer Art keinen Platz haben; die Minderheiten und Randgruppen werden lediglich gebraucht, um soziale Spannungen und andere Konflikte auf sie abzuwälzen.
Der Faschismus zeichnet sich durchgehend auch durch eine erhöhte Aggressivität und Gewaltbereitschaft seiner Anhänger aus; politische Überzeugungsarbeit wurde nicht auf demokratischem, parlamentarischem Wege geleistet, sondern mittels kämpferischer Propaganda und Terror, mit dem die paramilitärischen Verbände der faschistischen Organisationen die politischen Gegner einschüchterten bzw. ausschalteten.
Kennzeichnend ist weiterhin, daß sich die unmittelbare, aktive Anhängerschaft des Faschismus fast nur aus Männern, vorwiegend jüngeren, rekrutierte.

Gestapo gebräuchliche Kurzform für Geheime Staatspolizei, Sammelbezeichnung für die politische Polizei des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland zwischen 1933 und 1945. Die Gestapo war ein zentrales Ausführungsorgan des Staates und als solches verantwortlich für den organisierten Terror im Dritten Reich.
Vorläufer der Gestapo waren die politischen Polizeiorgane der Weimarer Republik, vor allem die preußische Geheime Staatspolizei, die 1933 als Geheimes Staatspolizeiamt (Gestapa) installiert worden war. Im gleichen Jahr erfolgte unter der Leitung Heinrich Himmlers und Reinhard Heydrichs die Gleichschaltung aller Landespolizeiämter außer dem Preußens.
1934 übernahm Heydrich die Leitung des Gestapa (bis 1942). Es wurde in Gestapo umbenannt. Ihre Aufgabe war die Erfassung und Verfolgung aller politischen Gegner der nationalsozialistischen Führung. Dabei arbeitete die Gestapo mit dem Sicherheitsdienst (SD) eng zusammen. Sie konnte Schutzhaftbefehle gegen Verdächtige ausstellen, diese foltern oder in Konzentrationslager deportieren. Oftmals beruhten Verhaftungen auf Willkürmaßnahmen. Auch die Ordnungspolizei und der Inspekteur der Konzentrationslager waren der Gestapo untergeordnet. Im 2. Weltkrieg dehnte die Gestapo ihren Terror auf die besetzten Gebiete aus. Die Organisation hatte maßgeblichen Anteil am Holocaust.
Im April 1934 stieg Heinrich Himmler, der Führer der paramilitärischen NSDAP-Sondereinheit SS (Schutzstaffel), zum stellvertretenden Chef der Gestapo auf. Mit seiner Ernennung zum Staatssekretär im Juni 1936 wurde Himmler der gesamte Polizeiapparat unterstellt. Dazu gehörten der SD, die Gestapo und die Kriminalpolizei (Kripo). Kriminalpolizei und Gestapo wurden zur Sicherheitspolizei (Sipo) verbunden.
Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus wurde die Gestapo aufgelöst und während der Nürnberger Prozesse 1946 zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.

Ghetto aus dem Italienischen entlehnte Bezeichnung für ein Stadtviertel, in dem Juden leben mussten, da es ihnen gesetzlich so vorgeschrieben war. Mit der Zeit wurde der Begriff auf jedes Viertel ausgedehnt, das hauptsächlich oder ausschließlich von Juden bewohnt wurde. Die Entstehung der frühen Ghettos ist sowohl auf die Intoleranz der Christen als auch auf den Wunsch der Juden zurückzuführen, gemeinsam und abgeschlossen zu leben. Das erste gesetzlich vorgeschriebene Ghetto wurde 1555 von Papst Paul IV. eingerichtet. Im Lauf der folgenden drei Jahrhunderte wurden in den meisten europäischen Ländern ähnliche Ghettos eingerichtet. Um die Ghettos (auch Judenviertel oder Judengasse) verliefen Mauern, und nachts wurden die Tore geschlossen. Oft wurden Juden gezwungen, außerhalb des Ghettos bestimmte Kennzeichen zu tragen, die sie als Juden auswiesen. Die Auflösung des Ghettosystems verdankt sich weitgehend der Französischen Revolution und den liberalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. 1870 war das römische Ghetto das einzige noch bestehende gesetzlich vorgeschriebene Ghetto in Europa; in demselben Jahr wurde es vom italienischen König Victor Emmanuel II. aufgelöst. Adolf Hitler ließ während des 2. Weltkrieges in den von Deutschland besetzten Ländern Ghettos einrichten - ein Teil seines Planes zur Vernichtung der Juden.
Heute werden oft dicht besiedelte Stadtviertel, die von ethnischen oder kulturellen Minderheiten bewohnt werden, als Ghettos bezeichnet.

Goebbels Paul Joseph, NS-Propagandaminister. Am 13. März 1933 übertrug Hitler Goebbels das neu eingerichtete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, und im September übernahm Goebbels zusätzlich die Leitung der neu geschaffenen Reichskulturkammer. Von Anfang an inszenierte er einen ausgeprägten Führerkult um Hitler und übte eine strenge Kontrolle über die Presse aus, die er innerhalb kurzer Zeit gleichschaltete und auf die nationalistische und rassistische Ideologie des nationalsozialistischen Regimes verpflichtete. Ebenso verfuhr er auch in allen anderen Bereichen des kulturellen Lebens (Theater, Film, Literatur, bildende Kunst, Musik). Seine extreme antisemitische Propaganda gipfelte 1938 in der von ihm organisierten Reichspogromnacht, der sogenannten Reichskristallnacht.
Ab 1940 war Goebbels Herausgeber und Leitartikler der Wochenzeitschrift Das Reich, in der er während des 2. Weltkrieges u. a. den Endsieg beschwor und den Einsatz von Wunderwaffen versprach. Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad rief Goebbels die Deutschen im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 demagogisch-propagandistisch äußerst wirkungsvoll zum totalen Krieg auf. Noch während des Putschversuchs vom 20. Juli 1944 gelang es Goebbels, das missglückte Attentat auf Hitler propagandistisch gegen die oppositionellen Offiziere und Zivilisten zu wenden. Als Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz ab August 1944 suchte Goebbels bis zum Schluss die Illusion des Endsieges aufrechtzuerhalten und alle noch verfügbaren Reserven zu mobilisieren.
Am 29. April 1945 ernannte Hitler Goebbels zu seinem Nachfolger als Reichskanzler; angesichts der bereits in Berlin stehenden sowjetischen Roten Armee ermordete Goebbels wenige Stunden nach Hitlers Tod am 1. Mai 1945 seine sechs Kinder und beging anschließend zusammen mit seiner Frau Selbstmord. Seine Tagebücher aus den Jahren 1942 und 1943 wurden 1948 posthum herausgegeben.

Goethe Johann Wolfgang von
Achtung: "1999 = Goethejahr" Hier ein paar Verweise aus Tausenden...
Goethes Erbe
Goethes Wege
Goethe und's Essen
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Göring Hermann, (1893-1946) zweitmächtigster Mann im nationalsozialistischen Deutschland, schloss sich 1922 der NSDAP an und wurde wenig später Führer der SA in München. Nach dem gescheiterten Hitler-Putsch von 1923 floh er ins Exil. 1928 kam er für die NSDAP in den Reichstag, zu dessen Präsidenten er im Juli 1932 gewählt wurde.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 wurde Göring in Hitlers Kabinett zunächst Reichsminister ohne Geschäftsbereich und im Mai Reichsminister der Luftfahrt. Von April 1933 bis Mai 1945 war er außerdem preußischer Ministerpräsident und von April 1933 bis Mai 1934 preußischer Innenminister. Beim Aufbau des nationalsozialistischen Regimes spielte Göring, dem als preußischem Innenminister der gesamte preußische Polizeiapparat unterstand, eine entscheidende Rolle. Er richtete die ersten uKonzentrationslager ein, forcierte die Verfolgung und schließlich die Ausschaltung der politischen Opposition, besonders der Sozialisten und der Kommunisten, und war für die Ermordung von SA-Führern im Zuge des Röhm-Putsches verantwortlich. Innerhalb kurzer Zeit war Göring zum zweiten Mann im Staat nach Hitler aufgestiegen, und Hitler bestimmte ihn bereits 1934 für den Fall seines Todes zu seinem Nachfolger.
Göring trieb die Aufrüstung voran und bereitete Deutschland wirtschaftlich auf den Kriegsfall vor. Als Oberbefehlshaber der Luftwaffe seit 1935 und der faktisch einflussreichste Militär betrieb er den Sturz der Generäle von Fritsch und von Brauchitsch, die sich gegen Hitlers Expansionspläne ausgesprochen hatten. Mit seiner Ernennung zum Generalfeldmarschall 1938 und zum Vorsitzenden des Reichsverteidigungsrates im gleichen Jahr erhielt Göring die seiner tatsächlichen Macht entsprechenden militärischen Titel. Nach den Siegen über Polen und Frankreich 1939 und 1940 zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde Göring am 19. Juli 1941 zum Reichsmarschall ernannt. Knapp zwei Wochen später beauftragte er u Heydrich mit der Organisation der "Endlösung" der Judenfrage (u Wannseekonferenz). Nach dem Scheitern der von Göring geplanten "Luftschlacht um England" 1940/41, in der ganze englische Städte dem Erdboden gleichgemacht worden waren, und verstärkt nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad Anfang 1943 schwanden Görings Einfluss und Ansehen. Am 23. April 1945, unmittelbar vor Kriegsende, wurde er von Hitler aus der NSDAP ausgeschlossen und aller Ämter enthoben, weil er zu Verhandlungen mit den Alliierten geraten hatte.
Am 8. Mai 1945 wurde Göring von den Amerikanern gefangen genommen und im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg am 1. Oktober 1946 zum Tod verurteilt. Am 15. Oktober, kurz vor der geplanten Hinrichtung, beging Göring Selbstmord.

Hegel

Heydrich Reinhard, (1904-1942), hoher SS-Funktionär. 1931 trat er in den Sicherheitsdienst (SD) der SS ein und wurde 1932 dessen Leiter. Unter dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler, baute er den Sicherheitsdienst zu einem effektiven Nachrichtendienst aus. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 wurde Heydrich Chef der Politischen Polizei in Bayern, 1934 Leiter der Gestapo in Preußen und 1936, unter Himmler als dem Leiter der gesamten deutschen Polizei, Chef der Sicherheitspolizei (Gestapo und Kripo) und des Sicherheitsdienstes. 1934 war er maßgeblich an der Agitation gegen den SA-Chef Ernst Röhm sowie an der Ermordung hoher SA-Führer im Rahmen des so genannten Röhm-Putsches beteiligt, und 1938 war er einer der Initiatoren der so genannten Reichskristallnacht.
1939 übernahm Heydrich die Leitung des neu geschaffenen Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), das Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst zusammenfasste, und verfügte damit über ein umfassendes Überwachungs- und Terrorinstrument. Das RSHA war im 2. Weltkrieg in den besetzten Gebieten u. a. für die Durchführung der "Endlösung der Judenfrage" und die "Gegnerbekämpfung" zuständig. 1941 organisierte Heydrich den Massenmord an Juden durch die Einsatzgruppen seines RSHA in den eroberten sowjetischen Gebieten. Im Januar 1942 leitete er im Auftrag Hermann Görings die Wannseekonferenz, auf der die Vernichtung der Juden in Deutschland und in den besetzten Gebieten vorbereitet wurde. Ab September 1941 war Heydrich zusätzlich stellvertretender "Reichsprotektor für Böhmen und Mähren". Am 27. Mai 1942 starb Heydrich nach einem Attentat, das von der tschechoslowakischen Exilregierung in London gegen die Terrormaßnahmen des stellvertretenden Reichsprotektors organisiert worden war. In einer Racheaktion für das Attentat machte die SS das tschechische Dorf Lidice dem Erdboden gleich, ermordete alle männlichen Bewohner und deportierte die Frauen und Kinder in Konzentrationslager.

Himmler Heinrich (1900-1945), einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust. 1923 nahm Himmler, Mitglied eines rechtsradikalen Wehrverbandes, am Hitler-Putsch teil, 1925 trat er in die NSDAP ein, war von 1926 bis 1930 stellvertretender Propagandachef der Partei und wurde im Januar 1929 zum Reichsführer SS ernannt. In der Folge baute er die SS zu einer effizienten innerparteilichen Polizeitruppe aus. Seine oberste Maxime bei der Personalauswahl und -führung waren seine irrationalen rassistischen Vorstellungen, die schließlich den Geist der SS bestimmten.
1933 wurde Himmler Polizeipräsident von München, organisierte die Politische Polizei in Bayern und suchte, zusammen mit Heydrich, die Kontrolle über die Polizei in ganz Deutschland zu gewinnen.
Im April 1934 ernannte Göring Himmler zum stellvertretenden Leiter der preußischen Gestapo, deren Leiter Heydrich wurde. Am 30. Juni/1. Juli 1934 war Himmler maßgeblich an der Ermordung prominenter SA-Mitglieder beim sogenannten Röhm-Putsch beteiligt. Im Anschluß an den Putsch erreichte er, daß die SS aus der SA herausgelöst und zu einer selbständigen Organisation innerhalb der NSDAP wurde. Aufgabe der SS bzw. deren Totenkopfverbänden war nun u. a. die Organisation und Bewachung der von Heydrich seit 1933 aufgebauten Konzentrationslager, über die Himmler somit ebenfalls die Kontrolle erlangte.
1936 wurde Himmler Reichsführer SS und Chef der Polizei und konnte nun die beiden Sicherheitsapparate, den staatlichen und den der Partei, zusammenführen und so ein umfassendes Überwachungs- und Terrorsystem errichten.
Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges operierte Himmlers Waffen-SS als selbständige Truppe, teils neben, teils unabhängig von der Wehrmacht. Als "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" seit Oktober 1939 war Himmler verantwortlich für die "Germanisierung" der eroberten Gebiete im Osten, d. h. für die Ansiedelung von "Volksdeutschen" in diesen Gebieten und die Umsiedlung der ansässigen, nichtdeutschen Bevölkerung sowie für die Errichtung von Konzentrationslagern in den eroberten Gebieten und den Massenmord an den europäischen Juden.
1943 ernannte ihn Hitler zum Innenminister und 1944, nach dem gescheiterten Hitler-Attentat, zum Oberbefehlshaber des Ersatzheeres und zum Chef der Heeresrüstung. In der Endphase des Krieges mobilisierte Himmler mit dem Volkssturm noch die letzten Reserven.
Als sich die deutsche Niederlage deutlich abzeichnete, suchte er seine Mitschuld im nationalsozialistischen Terrorapparat herunterzuspielen, indem er z. B. gegen Kriegsende Judentransporte ins sichere Ausland umleitete; am 23. April 1945 nahm er mit den Alliierten Kapitulationsverhandlungen auf, weshalb ihn Hitler noch am 29. April aus der Partei ausschloß und ihn aller Ämter enthob. Kurz nach seiner Verhaftung durch die Briten beging Himmler Selbstmord.

Hofmann Hans, Schutzhaftlagerführer, lebenslang Zuchthaus, (Auschwitzprozess, Frankfurt)





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