|
Da habt ihr ja eine schöne Seite kreiert.
Ich bin nicht sehr überrascht über Eure Meinungen
zu der Ausstellung. Ich komme selbst aus dem Bereich Medizin und bin deshalb
sehr dankbar, soviel über den Aufbau und die Funktionalität meines EIGENEN
Körper gelernt und erfahren zu haben. Denn genau da drückt der Schuh. Trotz
unserer so aufgeklärten Zeit ist unser Körper, also konkret alles, was sich
unter unserer Haut und Schleimhaut befindet, noch immer ein Tabuthema.
Meine Mutter wußte selbst nicht einmal, daß man im Unterschenkel 2 Knochen
hat. Für viele ist das noch immer so. Mal ganz philosophisch betrachtet, ist
es nicht komisch, daß wir so wenig über unseren Körper wissen?
Ich denke, daß solche Ausstellungen nicht nur für die Mediziner da sein sollte,
denn die befassen sich ohnehin aus Leidenschaft mit dem(ihrem) Körper. Wir
sind nun mal so geschaffen. Das allein ist schon Kunst!!! Ich erinnere nur
an die Fähigkeiten unserer Hände, wobei das nichts im Vergleich zu unserem
Verdauungssystem ist......!
Noch etwas, was mir beim Lesen Eurer und anderer Kritiken zur Ausstellung
aufgefallen ist : Habt ihr Euch eigentlich mal gefragt, was es bedeutet, schaulustig
zu sein, warum wir gerade nach solchen Sachen gieren, also "sensationsgeil"
sind? Antwort : Weil uns unser Körper nun einmal interessiert, weil man einfach
das Bedürfnis hat, seine Neugierde zu stillen. Deshalb können wir gar nicht
anders, als hinschauen, egal, ob es ein z.B. Behinderter auf der Straße ist,
oder ein konservierter Körper in dieser Ausstellung. Das, was uns genau dabei
davon abhält, ist eine gewisse moralische Erziehung, die wir alle nunmal genossen
haben.
Moralische Beispiele: "Schau da nicht hin, so was gehört sich nicht" - warum,
wir schauen hin, weil wir uns ganz unbewußt vergleichen. Es besteht ein anatomischer
Unterschied. Natürlich meine ich nicht, daß ihr alle Behinderten oder andersausehenden
anstarren sollt. Ich meine damit, daß man seinen Wissensdrang ruhig befriedigen
sollte, um sich ein eigenen Bild zu schaffen über das physiologische Menschsein,
und um genau das verarbeiten zu können. Denn es gibt viele, die durch diese
Ausstellung geschockt wurden, weil sie nicht darauf vorbereitet waren
"Grusel dich vor Leichen" - warum; dieser Grusel, den haben wir erlernt. Mal
ganz realistisch betrachtet sind es nicht lebende Menschen, die können nichts
machen, auch nicht auferstehen. Es gibt keinen grund sich zu gruseln. Wir
sollten lieber anfangen Respekt zu erlernen, damit wir die übertriebene Angst
oder sogar Phobie vor dem Totsein abbauen und lernen, damit normal umzugehen.
Noch ein etwas geschmackloses Beispiel möchte ich
bringen, um meine Aussage zu verstärken. Es gibt leider Seiten im WWW, die
Bilder von Leichen zeigen. Es gibt auch viele Leute, die sich das anschauen.
Habt ihr Euch schonmal gefragt, WARUM???
Was ihr darüber denkt und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt, würde
mich sehr interessieren. Ich kann da nur sagen, wer sich für solche Sachen
interessiert, sollte sich in medizinischen Buchläden Anatomiebücher anschauen
und in solche Ausstellungen gehen.Den Internetspuk muß keiner von uns fördern.
Zum Abschluß; ich habe das Bild von dem Mann, der seine eigene Haut trägt,
als Hintergrundbild auf meinem Desktop geladen, weil ich es 1. höchst ästhetisch
finde und 2. weil es zum Denken anregt!
|
|