Kleines etymologisches Lexikon

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zuletzt aktualisiert am 11.05.2016

 

Ein Verzeichnis der Abkürzungen findest du am Ende.

Quellen- bzw. Literatur-Verzeichnis


 

 

Alchimie f.
'Bez. f. d. ma. Goldmacherkunst', aus arab. al-kímiá 'die Chemie, Stoffkunde', also die Lehre von den Stoffen, aus denen unsere Welt besteht. 

 

Alex
Kurzform von: Alexander, männl. Vorname griech. Ursprungs, bedeutet etwa „der Männer Abwehrende“; „Schützer“.

 

Algebra f.
Gleichungslehre als Teilgebiet der Mathematik, Buchstabenrechnung, im modernen Sinne Lehre von den formalen Rechenbereichen (Ring, Körper u. a.), Übernahme (Mitte 15.Jh.) von gleichbed. lat. algebra, gebildet (12.Jh.) in Anlehnung an arab. al-gabr, eigentl. 'Wiederherstellung, Einrenkung (getrennter, gebrochener Teile)'.Das arab. Wort ist enthalten in dem Titel 'ilm al-gabr wa 1-muqâ bala ' Wissenschaft von den Wiederherstellungen'.
 

 

Alkohol m.
'Spiritus, Weingeist, daraus hergestellte Getränke'. Arab. kuhl bezeichnet ein fein pulverisiertes kosmetisches Färbemittel. Die Spanier übernahmen es aus dem Arab., und zwar mit dem Artikel al-, hispano-arab. al-kuhúl. Das daraus entstandene span.alcohol wird von den Alchimisten (s.o. 'Alchimie') übernommen und bezieht sich auf die besonders feine Stofflichkeit und hohe Flüchtigkeit des Alkohols.

 

Alkoven m.
'von einem größeren Raum abgehende Schlafnische'. Aus arab. (mit Artikel) al-qubba 'Kuppel, kleines, an ein größeres angegliedertes Zimmer'.

 

Allotria Plur.
doch häufig als Sing. n. aufgefasst, 'vergnüglicher Unfug'. Griech. allótria 'fremdartige, nicht zur Sache gehörige Dinge'.


amen
bekräftigende Schlussformel nach Gebet und Predigt. Hebr. 'amen' 'so sei es, gewiss, wahrlich' dient schon im synagogalen Gebrauch des Altertums als Ausdruck der Anerkennung und Bestätigung eines vorgelesenen Textes oder Gebets.

 

Amok
[per eMail von Aurelia Hübner am 12. April 2005]

(malaiisch meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten)
Quelle: wikipedia.de

 

Bio- 
'Lebens- , das Leben betreffend', Kompositionsform von griech. bíos 'Leben', die bereits im Griech. als erstes Glied von Zusammensetzungen begegnet, dann im Deutschen und in anderen mo­dernen Sprachen für viele Neubildungen im wissenschaftlich-sprachlichen Bereich herangezogen wird.

 

Biologie f.
Wissenschaft von den Zusammenhängen des Lebens', gelehrte Neubildung, anfangs im Sinne von 'Wissenschaft, Theorie des Lebendigen'. Zusammengesetzt aus Griech. bio  und –logie 

 

Brezel f.
siehe Stuten

 

Brot f.
ein uraltes Wort, nicht nur im Deutschen, sondern in den Sprachen vieler Völker. Grimm meint, dass es von dem Wort „brechen“ komme, andere sagen, dass "Brot" ursprünglich auf den Gärungsprozess (brauen, brodeln) verweist, denn Brot meint das gesäuerte Gebäck.

Älter allerdings ist das Wort „Laib“ für ungesäuertes Brot. Welche Bedeutungen hatte es! Die englischen Wörter „Lord“ und „Lady“ kommen von „Laib“. Sie bedeuteten „Brotherr“ und „Brotkneterin“ [Die Rollen waren halt sehr traditionell aufgeteilt...], und auch das deutsche Wort „Genosse“ stammt von „Laib“ ab; er ist derjenige, der mit einem anderen das Brot teilt, ihm also sehr vertraut ist, einen elementaren Teil des Lebens teilt, eben ein Genosse, ein Kumpan, in der besten Bedeutung des Wortes. Und so stellt sich‘s der Bäcker natürlich am liebsten vor: Sein Brot, auch wenn‘s nicht mehr ungesäuert ist, als Bindeglied zu einem netten Menschen, einem Genossen, mit dem man es gern verschmaust !

[per eMail von Klaus Weissrot, 14.07.2003]:

Laib kommt aus dem slawischen Chlepa. Treibmittelloses Fladenbrot.
Zur Zeit der Völkerwanderung begegnet es dem Baltischen Bröd, sauerteig- gedunsenes Brot.
Fortan wollte man ein Chlepa Bröd, also daher ein Laib Brot, und daher Laib mit AI.

 

Chance f.
'günstige Gelegenheit, Möglichkeit', zu Anfang des 19. Jhs. von frz. chance 'Glücksfall, Aussicht, Möglichkeit' übernommen.

 

Chaussee f.
'Landstraße'. Um die Mitte des 18. Jhs. wird aus Frankreich der Chausseebau übernommen. Damit wird auch die Bezeichnung frz. chausseé 'erhöhte Fahrstraße' im Dt. geläufig.

 

Computer m.
'elektronische Datenverarbeitungsanlage' wird Anfang der 60er Jahre des 20. Jhs. aus dem Amerik.-Engl. übnernommen. Das Wort geht zurück auf Lat. computare 'zusammenrechnen' 'berechnen'. Daher wird heute auch statt 'Computer' häufig 'Rechner' verwendet.

 

dämlich Adj.
[Meine Frage ist, ob das Wort "dämlich" (für albern oder dumm) sprachgeschichtlich mit "Dame" irgendetwas zu tun hat. Wenn ja, würde das die patriarchale Prägung unserer Sprache ja einmal mehr verdeutlichen... Ich habe diese Behauptung jetzt schon des öfteren gehört, aber bis jetzt habe ich nirgendwo eine Bestätigung dessen gefunden. ----eMail vom Feb. 2001]

NEIN, es kommt von "dumm" , mittelhochdeutsch "toum" = Qualm, Dunst, also einer, der etwas benebelt ist. Frühere sprachgeschichtliche Formen sind "däme-lig" und "dämisch" in der Bedeutung von dumm, albern, benebelt. Siehe auch: "Dämlack" mundartlich für "Blödmann" usw.
Man könnte also auch vermuten, dass, wer "dämlich" von Dame ableitet, in seinem eigenen begrenzten Geist etwas benebelt sei...

 

definieren 1
[per eMail von Jacob J. Mebold, 16 Jahre, 10.07.2002]

In diesem Wort steckt das lateinische Wort "finis", was "Grenze" bedeutet. "finieren" ist demnach ein etwas eingedeutschtes "grenzen", eine Art substantiviertes Verb. Die Vorsilbe "de" ist (für mich) nicht direkt zu übersetzten, (habe kein Latein in der Schule), aber es scheint eindeutig, dass es in diesem Fall "ab" heißen soll. Also hieße "definieren" "abgrenzen".

Das ist aus dem Zusammenhang ganz gut zu verstehen, wenn man beispielsweise von der Definition eines bestimmten Begriffes ausgeht. Da steckt man sozusagen das Bedeutungsfeld ab. Sprachlich etwas versiertere Leute sprechen auch gerne mal davon einen Termin genauer zu definieren. Das kommt Einigen zwar sprachlich komisch vor, ist aber, wie ich finde, sehr gut, denn es heißt im Grunde ja den Termin ab/-eingrenzen.
Das ist im übertragenen Sinne ja sehr korrekt. Im direkten Sinne geht das natürlich nicht, aber dafür kann man praktisch bei der Jagd ein Rudel Wölfe definieren. Sagt keiner so, ist aber im Grunde nicht schlecht, finde ich ;-)

[Eine sehr anschauliche Erklärung! Danke, Jacob!]

 

definieren 2
[per eMail von Simon Daniel Flottmann, 29.07.2002]

Ich würde gerne etwas zu der Erklärung von "definieren" beisteuern/sagen:
Es stimmt, dass "finis" "Grenze bedeutet; "de" ist eine Lateinische Präposition mit sehr vielen Bedeutungen, unter denen zwar auch "ab" ist, aber die Bedeutungen "völlig" oder "gänzlich" scheinen geeigneter zu sein, denn das Verb "finire" heißt schon "begrenzen", "eingrenzen", "festsetzen" und im Lateinischen gab es dann schon die Gleichsetzung der Bedeutung zu "definire". Der ursprüngliche Stamm des Wortes "finis" als "Grenze", später dann "Erklärung" kommt dann wahrscheinlich von "fig-snis", ein "festgesteckter Grenzpfahl".
Aus "völlig begrenzen" wurde so "definieren", also allumfassend erklären.

[Danke für die genauere Erläuterung, Simon!]

 

Dirne
kommt von althochdeutsch thiorna= Mädchen, Jungfrau, Dienerin, mittelhochdeutsch: dierne, dirne = Dienerin, Magd, Unfreie. Im Mittelniederdeutschen heißt es "derne", im Altnordischen "therna"
Die Bedeutung:Dirne=Prostituierte erscheint seit dem 15. Jahrhundert für Mädchen aus niederen sozialen Verhältnissen

 

Diskothek f.
Schallplattensammlung' (um 1935), 'Tanz- und Unterhaltungsveranstaltung für Jugendliche mit Schallplatten- oder Bandmusik, Räumlichkeit, in der diese Veranstaltung stattfindet', in der Sprache der Jugendlichen meist verkürzt zu Disco (70er Jahre des 20. Jhs.). Aus griech. díscos m. 'Wurfscheibe' und griech. théke 'Behältnis, Kiste, Schrank, Kasten'.

 

Döner Kebap m.
Der Duden, ordentlich, wie er nun mal ist, verzeichnet den Begriff in deutscher Schreibung in zwei Varianten, der Kurzform "Döner" und "Dönerkebap". Woher dieses Wort kommt, erklärt Matthias Weimer in der neuesten Ausgabe (1/2013) der EURABIA, dem Magazin der Deutsch-Arabischen Gesellschaft e. V., u. a. einer Beilage der sehr lesenswerten Zeitschrift "Zenith" (www.zenithonline.de):

Jeder kennt Döner Kebap, den Lammfleischspieß, den unsere türkischen Nachbarn in Imbissbuden anbieten. Döner setzt sich zusammen aus den türkischen Vokabeln von "dömek" ("drehen") und "kebap" ("Fleisch") - ist also "das gedrehte Fleisch". Stimmt ja! In der umgangssprachlichen Kurzform "Döner" steht das Wort bereits im Duden.

Weitere, von Matthias Weimer erläuterte türkische Wörter: Joghurt, Hurra, Horde, Gulasch, Schabracke, Heck-Meck, Kiosk > siehe dort. (Übrigens gibt es auch umgekehrt im Türkischen heimisch gewordene deutsche Wörter wie Ayzberg, Ersatz und heimatlos.)

 

Enzyklopädie f.
'umfassendes Nachschlagewerk, Sachwörterbuch'; zu griech. enkýklios 'kreisförmig, regelmäßig wiederkehrend, üblich' und griech. paidéia 'Erziehung, Lehre, Bildung'

 

epi-
Griech. epi- im Sinne von 'darauf, darüber, hinzu' wird in zahlreichen Entlehnungen ins Dt. übernommen und als Vorsilbe für die Bildung neuer Wörter verwendet.

 

Epidemie f.
'massenhaft auftretende ansteckende Krankheit, Seuche'. Das Adjektiv griech. epidémios 'im ganzen Volk, über das ganze Volk verbreitet', zu griech. epi- 'über' (s.d.) und démos 'Volk', wird schon von griech. Ärzten auf eine sich rasch ausbreitende ansteckende Krankheit bezogen.

 

Erziehung f.
die entsprechenden lateinischen Formen sind educare und extrahere, wobei educare  unserem heutigen "erziehen" entspricht und extrahere "herausziehen" bedeutet. Die Wurzel in der dt. Sprache ist ahd. (althochdeutsch, etwa ab 8.Jh. bis 12. Jh.) irziohan; im Mittelhochdeutschen (mhd., ab12. Jh. bis Ende 15. Jh.) heißt es bereits erziehen. In der Vorsilbe er- liegt die von innen auf einen äußeren Gegenstand gehende Wirkung, z.B. erheben, erwählen, erlassen usw. Das Wort hatte eine größere Bedeutungsvielfalt als das heutige "erziehen".

    1. Bezeichnet wurde damit das Aufziehen von kleinen Kindern, Tieren und Pflanzen, zunächst mit Bezug auf leibliche Pflege "und erzieht ihre Jungen unter den jungen Löwen" (Luther).

    2. Bis ins 18. Jh. reicht noch erziehen können im Sinne von "imstande sein zu ziehen" : "die vier Pferde konnten meine Halbchaise[kleine Kutsche] kaum erziehen" (Goethe)

Interessant ist, dass im Ahd. die Bedeutung das Schwert ziehen, das Beil ziehen / schwingen häufig ist: arziuh wâfan!  Daneben existiert im Ahd. auch die Bed. "aufziehen": irzôh daz kind scôno [gut]. In der lat. Form e ducare steckt ducere = führen.

 

etymologisch Adj., Etymologie f.
aus griech. étymos 'wahr', wahrhaftig' und lógos (s.u. -logie), 'Wissenschaft von der Herkunft der Wörter, von ihrem Ursprung', also eigentlich die Lehre von der 'Wahrheit' ihrer Entstehung; bei vielen Wörtern, die wir täglich benutzen, ist ihre Herkunft spannend zu verfolgen.

 

Felix
Vorname, aus lat. felix 'glücklich'

 

Fisimatenten
[per eMail von Elimar Orlopp, 08.08.2002 ]

Wie ich aus einer Rundfunksendung gehört habe, ist das Wort "Fisimatenten machen" aus der Zeit der Napoleonischen Kriege in die deutsche Sprache eingegangen.
Es bedeutet eigentlich "visitez ma tente", was französisch ist und die Aufforderung beinhaltet, das Zelt eines französischen Offiziers zu besuchen. Nun, diese Aufforderung wurde immer wieder den deut-schen Jungmädchen oder -frauen gegenüber vorgebracht, was zu der elterlichen Warnung führte, dass sie keine Fisimatenten machen sollten.

[Danke für die Erläuterung, Elimar! Ich kenne das Wort aus dem Rheinland, dort spricht man das zweite "i" als "e" - und der Rheinländer - oder auch die Rheinländerin - gibt dem Wort einen unvergleichlichen Singsang mit auf den Weg! So etwa stelle ich mir vor, wie Adenauer seine Tochter zur Raison gebracht hat ;-)]

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[Dirk Sonntag schrieb am 05.04.2003 Die [obige] Erklärung scheint laut anderen Forschungen nicht richtig zu sein, sondern eher ins Reich der Sage zu gehören. Genaueres ist mir aber nicht bekannt.]

Kluge [Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Aufl.] widerspricht der hübschen Erklärung ebenfalls:

Fisimatenten
Substantiv Plural (auch als visipatent u.ä.) "Ausflüchte, Winkelzüge"; erweiterter Standardwortschatz, stilistisch (16. Jh.) Hybridbildung. Vermutlich Streckform zu fnhd. fisiment "bedeutungsloser Zierat (am Wappen)", zu mhd. visieren, das u.a. "die Wappenfiguren ordnen und beschreiben" bedeutet. Zahlreiche andersartige Erklärungsversuche können nicht ausreichend gestützt werden.

 

Gift n.
bereits im Althochdt., Mittelhochdt. "gift" als Bezeichnung für Gabe, Belohnung, Geschenk, Brautpreis [heute noch "Mitgift"] Wurzel ist das Verb "geben" [engl. to give]
Wie kommt es zu der negativen Bedeutung: Tod bringender Stoff?
"Gift" wurde bereits im Ahd. euphemistisch - also beschönigend-verhüllend - für "tödliche Gabe" gebraucht. Zunächst war es fem. (die Gift), dann 15. Jh. masc. und im 16. Jh. neutr. Bei Goethe noch: die Gift für Gabe, Geschenk.

 

Gulasch m., n.
Ebenso wie "Hurra" und "Horde" ein Kriegsbegriff: "Gulasch" setzt sich zusammen aus den Wörtern "Kul" (für niederer Soldat, Diener der Offiziere) und "Asi" (für Essen). Gul-asch bedeutete also das Essen für niedere Ränge - und das waren die zusammengewürfelten Reste des besseren Essens. Und auch bei uns ist Gulasch bis heute ein Mischeintopf aus Kartoffeln, Fleisch und Gemüse.

[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

 

Hahn m.
[Guten Tag ! Ich bin Franzose_... deshalb ist mein Deutsch nicht sehr gut... Ich möchte die Quelle des Wortes Hahn wissen. Die Bedeutung als "Sänger" kommt von lat. can-ere, singen, chanter, griech. kanaché. Ich denke, die erste Bedeutung ist der Name des Tiers. Im englischem ist die selbe Sache : das Wort cock hat die zwei Bedeutungen. -- eMail von Xavier Negre, Dez. 2000]

Das ist richtig!
Die zweite Bedeutung ist die der "Uhr", "beim Krähen des Hahns" , "beim Hahnenschrei" = früh am Morgen (nämlich dann, wenn der Hahn kräht), vgl. 1. Shakespeare, Hamlet 1; 1: the cock, that is the trumpet to the morn, doth with his lofty and shrill-sounding throat awake the god of day oder: Matthäus 26, 34 + Markus 14, 72 (Neues Testament)

3. Bedeutung: "Streit-Hahn" = ein Mensch, der Streit sucht, sich oft streitet
4. Bedeutung: "der rote Hahn" = Feuerteufel, Flammen bei einem großen Brand
5. Bedeutung: "Hahn im Korb sein" = höchste Geltung bei jemandem haben, besonders als Mann unter Frauen
6. Bedeutung: "Wetterhahn" = Wetterfahne auf Kirchtürmen
7. Bedeutung: "Hahn" am Gewehr = beweglicher Teil am Gewehrschloss, das ursprünglich in der Form eines Hahns gebaut war
8. Bedeutung: "Hahn" beim Uhrmacher = das Stück, das die Unruh bedeckt

[Aber warum sagt man Wasserhahn ?]
Es ist eine Übertragung des Wortes "Hahn" nach der FORM der Absperrvorrichtungen an Wasserleitungen, Fässern (seit dem 15. Jahrhundert)

[Was ist die Beziehung mit dem Gockel ?]
Gockel kommt von "Gickel", "Gickelhahn" = lautmalender Name aus dem südwest-deutschen Sprachgebiet; auch: "Göcker", "Güggel", "Göckelhahn", >"Gockelhahn", "Gickelhahn" (thüringisches Sprachgebi
et)

 

hänseln Vb.
hänseln / hansen / hanseln kommt nicht etwa von Hans, sondern von Hanse.
1. das Verb bedeutet ursprünglich: in eine geschlossene Gesellschaft feierlich aufnehmen (Hanse in der Bedeutung von Vereinigung, Genossenschaft -> altes gotisches Wort [hansa] - noch jetzt in Kärnten "hanse" neben "hans" für Geplauder, Unterhaltung). Das Hänseln war Sitte in der Genossenschaft der Fuhrleute, bei Handwerksburschen, Schiffern usw.

2. Die Bedeutung foppen, jemanden zum Besten haben erwuchs aus den Bräuchen der Aufnahme in eine solche Genossenschaft, die oft etwas Komisches in sich trugen.  

Das Substantiv Hansel / Hänsel / Hänselein als Koseform für Hans bedeutet a) Narr, Lotterbube; b) auch: Penis (Mir lag ein weip gar hart im sinn / das ich ir wollt mein henslein geben) c) Hänsel am Wege: Pflanzenname (in Österreich auch für taube Gerste)

 

Heck-Meck m.
[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

Die Wendung geht auf den 1. Weltkrieg (1914-1918) zurück. Da Deutsche und Türken Waffenbrüder waren, kam es vor, dass Einheiten auch gemeinsam gefangengenommen wurden. Und wenn dann die türkischen Kriegsgefangenen ihre Aufseher laut schreiend um "Ekmek, ekmek!" - "Brot, Brot!" anflehten, meckerten ihre deutschen Mitgefangenen genervt darüber, "was die heute wieder für ein Heck-Meck machen". So wurde "Heck-Meck" zum Synonym für lautes, unkoordiniertes Durcheinander-Geschrei mit Gestikulation.

 

Hexe f.
[per eMail von Anke Diana Humer am 30. 06. 2004]

entstanden aus den Worten Haag = Zaun und sitzen (auch reiten),
also Zaunreiterin - daraus wurde später der Besen.
Der Wortstamm ist mittelalthochdeutsch (heißt das so?)

Der heute nur noch wenig gebräuchliche Begriff Haag wird im Badischen
benutzt als Bezeichnung für Leute, die nachts betrunken aus der
Wirtschaft heimtorkeln (Haagsaicher = Zaunpinkler).

Es ist dort im weiteren Sinne auch als Schimpfwort gebräuchlich,
wenn jemand "Mist baut".

Im Englischen hingegen entstand die Hexenbezeichnung "witch" aus dem
germanischen Wort wicca (=weise Frau). Wiccas waren gewissermaßen
"weibliche Druiden"; Frauen mit Wissen über Heilkräuter.

 

Hurra n., hurra! Intj.
Matthias Weimer (siehe: Döner) erklärt uns die Herkunft:

Am spannendsten ist der Ursprung unseres Jubel- und Freudenrufs "Hurra!". Er entstand während der Belagerung Wiens durch die Türken im 16. Jahrhundert; die osmanischen Soldaten spornten sich beim Angriff euphorisch mit dem Kriegsruf "Vur, ha!" (das "ha" langgezogen) an, was übersetzt "Schlag drauf!" bedeutet ("vur" ist der Imperativ, also die Befehlsform, des Verbs "vurmak" für "schlagen", "draufhauen", ggf. auch "töten". Das "ha" bedeutet lediglich eine Verstärkung des vorangegangenen Verbs). "Vur, ha" wandelte sich im Hören der Belagerten zu "Hur-ha!" und schließlich "Hurra!". Und zum Ausdruck eines "leidenschaftlichen Gruppenrufes".

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Spannende Erklärung! Ich frage mich gerade, welchen "Gruppenruf" die christlichen, sog. Kreuzritter 400 Jahre zuvor auf den Lippen hatten, als sie mordend gen Orient zogen.

Der entsprechende Wikipedia-Artikel "Hurra-Patriotismus" ist übrigens nicht auf dem neuesten Stand (27. 05. 2013), hier fehlt die etymologische Herleitung des Wortes, wie sie M. Weimer uns hier anbietet. - Eine eindrucksvolle Beschreibung des deutschen "Hurra!" vom Anfang des letzten Jahrhunderts gibt Heinrich Mann in seinem "Untertan".

 

Horde f.
[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

- aus derselben Zeit wie "Hurra". Die Horde geht auf das türkische Wort "ordu" für "Heer" zurück. Die Geschichte dahinter: Da das Erscheinungsbild der türkischen Soldaten vor den Toren Wiens oft zu wünschen übrig ließ, wurde ihr Herr, das "ordu", bei den feinen Wienern zum Synonym für eine wilde und zusammengewürfelte Truppe von Männern.

 

informieren Vb.
'in Kenntnis setzen, benachrichtigen' , aus lat. informare in seiner übertragenen Bedeutung 'durch Unterweisung bilden, befähigen, unterrichten'

 

Joghurt m., n. (türk. yoğurt)
[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

Dieses türkische Wort für eine Art Dickmilch zog ab Ende des 17. Jahrhunderts nicht nur in den deutschen Sprachraum ein, sondern ging relativ unbeschadet und geräuschlos in fast alle Sprachen der Welt über.

 

Kaffee m.
Kaffeestrauch, dessen Samen und das daraus bereitete Getränk. Im 17. Jh. werden frz. café wie auch engl. coffee ins Dt. entlehnt. Diese Wörter stammen aus türk. kahvé, das auf arab. qahwa beruht.

 

kaltmachen  Vb.
rotw. 'töten, ermorden'

 

Kanal m.
die
Wortgeschichte geht weit zurück. Das ursprüngliche Wort stammt aus dem babylonisch-assyrischen "qanu" für Rohr. Vielleicht liegt die Wurzel noch weiter zurück, im Sumerischen, das ein Wort "gin" für Rohr kennt.

Im Lat. heißt es canalis = Röhre, im Griech. kánna. Im Italienischen bedeutet es Wasserarm, Wasserlauf, Wasserröhre (Canale grande...). Im Ahd. heißt es kánali, im Mhd. kanel, alemannisch chännel. So heute im Schweizerischen noch die Bezeichnung "chäner" für Dachrinne. Erhalten in Ortsnamen wie "Kehl" am Rhein, (urkundlich "kenle"), "Kandel" (Schwarzwald). Engl. channel, altfranz. chanel

Verwandte Wörter: Kanister, Kanone, Kanüle, Knaster

[per eMail von Peter Renzel am 15.11. 2008]:

... zum Begriff Kanal, so vermute ich, gehört auch das in der nördlichen Eifel bis nach Köln verbreitete Wort Kall. So gibt es einen Fluß "Kall", an dem der schöne Ort "Simonskall" (genannt im 17. Jahrhundert nach seinem wichtigsten Bewohner "Simon op der Callen") liegt. Der Ort Kall ist nicht weit. Berühmt ist auch der "Kallendrisser" am kölner Altermarkt, der auf drastische Art und Weise seinem Namen Ehre macht.

In allen Fällen geht es um "geführte Wasser(ver)läufe" in Form von Bächen, Dachrinnen, Röhren.

 

kapieren  Vb.
'verstehen, begreifen', im 17. Jh. aus lat. capere 'mit dem Verstand auffassen, begreifen' (eigentl. 'nehmen, fassen, ergreifen') in die Schülersprache entlehnt. Daran anschließend die scherzhafte Wendung schwer von Kapee 'begriffsstutzig, geistig schwerfällig' (um 1900 ).

 

Katze
[per eMail von Dominik Schwarz | 23.06.2003] Mein Vorschlag für eine Erweiterung:

"Die Katze aus dem Sack lassen".
Kein Wort, sondern ein Spruch, aber dennoch interessant.

Zur Erläuterung:
Die hier gemeinte Katze hat nichts mit dem Haustier zu tun. Es geht dabei um ein Folterinstrument mit mehreren Lederriemen. Der Begriff stammt aus dem englischen maritim-militärischen Bereich.
Auf den Schiffen herrschten strenge Vorschriften, wer dagegen verstieß, wurde bestraft.
Und wenn nun der Maat die Neunschwänzige Katze aus seinem Sack nahm, dann
waren seine Absichten doch recht offensichtlich...


Kies m. und n.
rotw. 'Geld, Beutel' ; Münzgeld

 

Kiosk  m.
Die Verkaufsstelle hat ihren Namen vom türkischen Wort "köşk" für einen kleinen Pavillon. Köşk wiederum geht auf "köşe" für "Ecke" zurück. Clevere Franzosen fanden heraus, dass Eckhäuser sich besser als andere Bauten als Warenverkaufsstellen (da nach zwei und mehr Seiten geöffnet) eigneten. Und weil die Franzosen auch in Istanbul Geschäfte betrieben, lernten sie dort das Wort für Ecke ("köşe") bzw. auch Pavillon ("köşk"). Daraus entstand hörlautlich Kiosk = Verkaufsstelle. Von der Türkei nach Frankreich, schwappte es von dort in die deutsche Sprache.

[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

Abgesehen davon, dass der Kiosk ziemlich aufwendig artikuliert werden muss (man versuche es vor dem Spiegel), müssen wie hier natürlich den Kiosk schlechthin, nämlich die BUDE im Ruhrpott wenigstens erwähnen.

 

Kneipe f.
rotw. 'Diebswirtshaus'. Das Wort wurde im 18. /19. Jh. von Studenten übernommen und bezeichnet eine 'kleine, gemütliche Schenke', gelegentlich in abfälliger Bedeutung.

Krawatte f.
Halsbinde, Schlips:  als im 17. Jh. kroatische Reiterregimenter von der frz. Armee angeworben worden  und in Paris stationiert waren, nannte man die Soldaten "Croate", später "Cravate". Sie trugen ein Halstuch, deren zwei Enden herabbaumelten. Das gefiel derart, dass es sofort überall nachgeahmt und zur Mode der Männer wurde. So wurde der Name der Reiter auf das Halstuch übertragen, und fortan heißt das Halstuch "Krawatte".

 

Lady
kommt von altengl. hlaf=(Brot-)Laib , althochdeutsch hleib - so ist die LADY die "Brotherrin", was bedeutet "Herrin, deren Brot einer isst", sie gebietet also über "Untertanen", ist Schlossherrin, Königin als Adelstitel.

Lord
kommt aus demselben Ursprung: "Herr, dessen Brot einer isst", "Brotbeschützer", später dann Adelstitel, hohe engl. Anrede

 

Lena
weibl. Vorname, Kurzform von a) Magda­lena, aus der Bibel übernommener weibl. Vorname hebr. Ursprungs, eigentl. 'Maria aus Magdala'; b) Helene, weibl. Vorname griech. Ursprungs; die Bedeutung ist unklar. Im Ungar. heißt der Vorname Ilona.

 

-logie  f.
Wortbestandteil in Zusammensetzungen, die 'Wissenschaften' bezeichnen; aus griech. lógos 'Wort, Sprache'; das dazu gehörige Vb. lautet griech. légein 'sammeln, sagen, vortragen'.

 

Mann m.
ahd, mhd "man" : Mensch;  Krieger, Mann . Urbedeutung "Mensch" ist erhalten in "jemand", "niemand", "man". Auch Frauen konnten in den alten Sprachen gemeint sein; erhalten in engl. "woman".
Überhaupt tritt die Bezeichnung "Mann" als Gegensatz zu Frau /Weib / Kind zurück in den Wendungen: Manns genug sein - mit Mann und Maus - eine Ware an den Mann bringen - alle Mann an Bord.
verwandt mit lat. "mannus" (aus dem Germanischen): Stammvater - Gott der Germanen

Ausgangsbedeutung mögl. indogermanisch *men = denken, geistig erregt sein - oder: *men- = hervorragen, aufrecht gehendes Wesen (lat. mons, Berg) [Das würden die Männer sowieso nicht allein für sich in Anspruch nehmen...]

 

Mark f.
ist im Ursprung ein sehr altes, germanisches Wort mit der Grundbedeutung: Grenze, Zeichen, Land;  erhalten noch heute z. B. in "Mark Brandenburg" = Grenze zu den Slawen. Genauer: Es bezeichnet zunächst die Art und Weise, wie eine Ländergrenze kenntlich gemacht wird, also z. B. angestrichene Pfähle, gebrannte und daher teilweise geschwärzte Bäume usw. (vgl. "Marken setzen", "markieren", "Markstein", "Textmarker")

"Mark" hat wohl eine enge Beziehung zu "Mal" = Fleck, verschieden gefärbtes Zeichen am Körper eines Menschen (Muttermal; auch übertragen: Kainsmal).

Die Bedeutung "Mark" = Geldstück geht darauf zurück, dass ein Gold- oder Silberstück mit einem bestimmten Gewicht von dem Landesherrn z. B. mit einem Zeichen versehen wurde, wodurch dieses Stück Edelmetall seinen genauen Wert erhielt (Münzen werden geprägt). Der Wert der Münzen war sehr unterschiedlich, je nachdem, in welchem Gebiet sie in Umlauf waren.

Aus "Mark" im Sinne von = 'Zeichen für eine Grenze' kommt z. B. auch das (urspr. frz.) Wort Markise, das ursprünglich das Zeltdach eines Offizierszeltes bezeichnete und die Abgrenzung zu den gemeinen Soldaten signalisierte.

Eine nette Geschichte ist übrigens auch die Herkunft des Wortes Moneten für Münzgeld. In Rom lag die Münzpräge, also die "Geldfabrik", neben dem Tempel der "Mahnenden Juno",  lat.= Juno moneta. Diese räumliche Nähe brachte den Geldmünzen den Namen Moneta. (gefunden in: Herbert Rosendorfer, Rom, 1990)

 

Mathematik f.
Wissenschaft von den Zahlen, Raumgrößen, Mengen. Griech. mathémata' mathematische Wissenschaften', manthánein 'lernen'. Dieses Wort ist verwandt mit dem dt. 'munter' !

 

Mitgefühl / Mitleid n.
(aus: Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins)


Alle aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen bilden das Wort Mitgefühl aus der Vorsilbe com- und dem Wort, das ursprünglich 'Leiden' bedeutete: passio. Andere Sprachen, so das Tschechische, das Polnische und das Schwedische, drücken diesen Begriff durch ein Substantiv aus, das aus der Vorsilbe Mit- und dem Wort 'Gefühl' besteht (tschechisch sou-cit, polnisch wspol-uczucie, schwedisch medkänsla).
In den aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen bedeutet das Wort compassio: wir können nicht herzlos den Leiden eines anderen zuschauen, oder: wir nehmen Anteil am Leid des anderen. Aus einem anderen Wort mit ungefähr derselben Bedeutung (französisch pitié, englisch pity, italienisch pietà usw.) schwingt sogar unterschwellig so etwas wie Nachsicht dem Leidenden gegenüber mit: »Avoir de la pitié pour une femme« heißt, daß wir besser dran sind als diese Frau, uns zu ihr hinabneigen, uns herablassen. Aus diesem Grund erweckt das Wort Mitleid Mißtrauen: es bezeichnet ein schlechtes Gefühl, das als zweitrangig empfunden wird und nicht viel mit Liebe zu tun hat. Jemanden aus Mitleid zu lieben heißt, ihn nicht wirklich zu lieben.

In den Sprachen, die das Wort nicht aus der Wurzel Leiden, sondern aus dem Substantiv 'Gefühl' bilden, wird es ungefähr in demselben Sinn gebraucht; man kann aber nicht behaupten, es bezeichne ein zweitrangiges, schlechtes Gefühl. Die geheime Macht seiner Etymologie läßt das Wort in einem anderen Licht erscheinen, gibt ihm eine umfassendere Bedeutung: Mit-Gefühl haben bedeutet, das Unglück des anderen mitzuerleben, genausogut aber jedes andere Gefühl mitempfinden zu können: Freude, Angst, Glück und Schmerz.
Dieses Mitgefühl (im Sinne von soucit, wspoluczucie, medkänsla) bezeichnet also den höchsten Grad der gefühlsmäißigen Vorstellungskraft, die Kunst der Gefühlstelepathie; in der Hierarchie der Gefühle ist es das höchste aller Gefühle.

 

Moneten
siehe Mark

 

nervös Adj.
'die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt' aus lat. nervus 'Muskel, Sehne, Nerv'

 

Pappe f.
bedeutet ursprünglich: "Kinderbrei". Es ist ein sogenanntes Lall-Wort. Die Bedeutung "Pappe = dickes Papier, Karton" ist erst später entstanden und stammt von den dicken Kleisterschichten her, die die einzelnen Papierlagen der Pappe mit einander verbinden. (Also: "Kinderbrei = Kleister"). "Etwas ist nicht von Pappe" = etwas ist solid, ordentlich (nicht wie "Brei").


[per eMail von Christian Koeppen | 11.07.2003] Danke für die frühe Belegstelle!

Das toskanische/italienische Wort "pappo" auch bei Dante (Purgatorio [= Läuterungsberg] 11, Zeile 105) gefunden:
[...]
Non è il mondan romore altro ch'un fiato
di vento, ch'or vien quinci e or vien quindi,
e muta nome perchè muta lato.
Che voce avrai tu più, se vecchia scindi
da te la carne, che se fossi morto
anzi che tu alsciassi il “pappo" e il “dindi",
pria che passin mill' anni? [...]

“Es ist der Ruf des Menschen nur ein Blasen /
des Windes, der bald da-, bald dorthin wehet /
und Namen wechselt, wie er Richtung wechselt /
Hast du mehr Ruhm, wenn du im Alter scheidest /
aus deinem Leib, als wenn du schon gestorben, /
bevor dem Kinderlallen du entwachsen, /
dereinst nach tausend Jahren?"

(übersetzt von Hermann Gmelin). Begriffe aus der toskanischen
Kindersprache: “Pappo" ist ein Brei, “Dindi" ein (bedeutungsloser ?) Laut.

 

Pleite f.
rotw. Pleite gehen, Pleite machen 'entrinnen, fliehen, sich (heimlich) davonmachen'; darin ist auch die Bed. 'Freiheit' enthalten.

 

Politik f., politisch Adj.
entstanden aus griech. pólis, Stadt, Staat, Gemeinwesen.
In seinem Aufsatz "Poesie und Politik" (1962) schreibt Hans Magnus Enzensberger über die Aufgabe des Gedichts:
"Sein politischer Auftrag ist, sich jedem politischen Auftrag zu verweigern und für alle zu sprechen noch dort, wo es von keinem spricht [...]"
"Für alle zu sprechen" - für alle Mitglieder des Gemeinwesens - wäre ja die Einlösung des ur-politischen Auftrags. Wozu also die Konstruktion dieses Gegensatzes? Offensichtlich traut Enzensberger dieser Übereinkunft nicht mehr, dass mit politischer Rede alle angesprochen sind, die zum Gemeinwesen gehören. Eine feine Unterscheidung zwischen Original und seinem verkommenen Ableger. Zu beobachten in jeder Tagesschau-Ausgabe.

 

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Programm  n.
'Reihenfolge, Gesamtheit von Veranstaltungen, Verzeichnis der Darbietungen, aus lat. programma, griech. prógramma 'öffentliche Bekanntmachung, Tagesordnung'. In der Computersprache aus amerik.-engl. to program 'Anweisungen für einen Rechenautomaten'.

 

radebrechen Vb.
Wenn ich in Spanien Urlaub mache und nach dem Weg fragen will, wird sich das mit meinem Wortschatz von 10 Wörtern wahrscheinlich so anhören, dass jeder Spanier und jede Spanierin den Eindruck hat, ich wolle die spanische Sprache foltern. Damit hätten sie - wortgeschichtlich - den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn radebrechen ist ein Wort, das aus der mittelalterlichen Folter stammt: Damals wurden Diebe z.B. aufs "Rad geflochten" - und dazu musste der Henker ihnen die Glieder brechen. (Nach dem Tod der Gefolterten musste er die Glieder übrigens wieder einrenken, was als Kunst galt...).

Ich radebreche das Spanische. Im vergangenen Jahr radebrechte ich das Italienische. Vielleicht sollten wir dieses schwach konjugierte Verb vorsichtshalber nicht mehr in den Mund nehmen...

 

Realschule f
zuerst von Pfarrer Chr. Semler in Halle 1706 für die lateinlose Lehranstalt verwendet, die er noch 1705 'Mathematische Handwerksschule' nennt. Aus lat. Adj. 
real 'wirklich, sachlich', zu lat. res 'Sache, Ding'.

 

Rektor m.
'Leiter einer Schule', von lat. regere 'leiten, lenken, herrschen, geraderichten' .

 

Religion  f.
von lat. religio 'Sorgfalt, religiöses Gefühl, Glaube, das Heilige' zu lat. relegere 'immer wieder, von neuem lesen'.

 

Rotwelsch
Bezeichnung für die deutsche Gaunersprache. Schon um 1250 versteht man unter "rotwalsch" Worte, die geheimen oder arglistigen Sinn haben. Die Bestandteile des Wortes sind "Rot" und "welsch". "Rot" war die Bezeichnung für Bettler, Spielleute, Possenreißer und Gaukler, also Menschen, denen nicht recht zu trauen ist. "Welsch" ist (auch) die Bezeichnung für die romanischen Sprachen und darüber hinaus für jede nicht verständliche Redeweise. Das Wort "Kauderwelsch" bezeichnet noch heute eine Sprache, die nicht verständlich ist bzw. erscheint. Die "kauderwelschen Lamparter" (vgl. Robert Schneiders Roman "Schlafes Bruder", in dem eine vorarlbergische Familie den Namen "Lamparter" trägt) sind die den Geldwechsel betreibenden Lombarden.

 

Safari f.
[per eMail von Aurelia Hübner am 12. April 2005]

Unter Safari von arabisch: --- , safar "Reise" verstand man ursprünglich eine Jagdreise in Ostafrika, bei der gewöhnlich Großwild erlegt wurde. Später wurde der Begriff dann auch auf andere Teile Afrikas und der Welt ausgedehnt, etwa wildreiche Gebiete im südlichen Afrika oder in Indien. Ursprünglich waren Safaris das Privileg der reichen, meist englischen Oberschicht in Ostafrika. In den letzten Jahren hat sich der Begriff aber stark gewandelt und bezeichnet heute meist die unblutigen Ausflüge in die "Wildnis", bei der hauptsächlich Tiere fotografiert werden und die auch für weniger betuchte Reisende erschwinglich sind. Dazu hat sich geradezu eine Safari-Industrie entwickelt, mit festen Führern etc. Bis heute ist es meist der Ehrgeiz des Reiseleiters neben möglichst vielen anderen Tierarten alle "Großen Fünf" vor die Kameras der Touristen zu bringen. Safari ist auch das Suaheli-Wort für Reise, dabei sind aber die arabischen Einflüsse zu beachten.
Quelle: wikipedia.de

 

Schabracke f.
1) - kommt vom türkischen Wort "çaprak", was die "festliche Satteldecke" ist. Aber: Da sich unter einer kunstvoll verzierten Satteldecke oft nur ein lahmer, alter Gaul verbarg, den der türkische Bauer oder Soldat teuer verkaufen und damit ablenken wollte, wurde die "Schabracke" (das mit der çaprak verzierte Pferd) zum Synonym für eine Sache, die nach außen glänzt, jedoch bei genauerem Hinschauen in elendigem Zustand ist.

[von Matthias Weimer, Mai 2013 - siehe Döner]

2) Grimms Wörterbuch notiert, dass das Lehnwort "Schabracke" seit dem 17. Jahrhundert im Deutschen nachweisbar ist. Ja, und Grimm ergänzt noch etwas:
"auf die kleidung des menschen übertragen:
dergleichen creaturen, welche gold und silbergestickte oder bordirte schabracken auf dem leibe führen."
So spricht jemand, der in abschätziger, gehässiger Weise eine eher ältere Frau bezeichnen will, die ihm "aufgetakelt" (Takel = Semmanssprache für Tauwerk des Schiffes) erscheint, die also mit viel Schmuck, aufwendiger Kleidung und evtl. auch stark geschminkt daherkommt.

3) Meine Großmutter nannte ihre schweren Seitengardinen an den Fenstern "Schabracke", und sie sahen auch so aus, als könnten sie umgehend als prachtvolle Satteldecke auf dem Rücken des nächsten Kleppers ihn in ein Paradepferd verwandeln.

Der "Muff unter den Talaren", den die 68er-Studenten vertreiben wollten, fand sich damals oft auch unter und vor den Schabracken am Fenster.

 

Schlamasse m.
rotw. 'Polizist'; Schlamassen 'Unglück, Misslingen, ungünstige Dinge in den Personal- oder Untersuchungsakten haben'; Schlamassel 'Unglück, schlechter Kamerad', Schlamassel in de Akten machen 'ungünstige Polizeivermerke in die Akten machen'. Zusammensetzung von dt. schlimm und jidd. masol 'Stern, Gestirn'.
 

 

Schule f.
Ursprung lat. schola, griech. scholé = Rast, Muße, gelehrte Unterhaltung, Vortrag, Ort des Vortrags, Auditorium, Schule
ahd. = scuola , mhd. schuole , altes klösterliches Lehnwort , ins Dt. übernommen etwa im 6. Jh.
Bedeutungsvielfalt: Klavierschule, Hohe Schule der Reiterei, ...das macht Schule, Baumschule (!!!), die Schule Tizians usw.

 

Sofa f.
[per eMail von Aurelia Hübner am 12. April 2005]

Das erst Ende des 17. Jahrhunderts in unseren Sprachgebrauch übergegangene Fremdwort stammt aus dem Arabischen. Dort bedeutet suffa eine Ruhebank.
Quelle: wikipedia.de

 

Stuten m.
leitet sich aus der Form des Brotes her. Offensichtlich war die ursprüngliche Form ähnlich einem "Oberschenkel", einer "Arschbacke", eines "Steißes".

Grimm verzeichnet in seinem Wörterbuch: "schenkelförmiges, spindelförmiges Brot", das etymologisch von niederdeutsch "stu:t", niederländisch "stuit" für "Steiß" kommt. Das Verbreitungsgebiet war Norddeutschland. "Stute" kommt als Familienname bereits im 15. Jh. vor und ist "mittelbarer Berufsname des Stutenbäckers" [Kluge, Etymologie]

Was dann "Stutenmond"/"Stutenwoche" als Bezeichnung für "Flitterwochen" zu bedeuten hat, mag man sich selbst ausmalen ;-)

Übrigens findet man diese sehr konkrete, an der äußeren Form orientierte Etymologie ebenfalls beim Wort "Brezel", das von lat. "brachium" =Arm kommt (Gebäck in Form von verschlungenen Armen).

 [Dank f. Korr.-Hinweis an W. Hahl, 08/2013]

 

Tabernakel n.
[per eMail von Aurelia Hübner am 12. April 2005]

Tabernakel (lat. tabernaculum "Hütte, Zelt"; im Deutschen meist mask.) ist in der katholischen Kirche die Bezeichnung für den Aufbewahrungsort der eucharistischen Brotsgestalt, die als der Leib Christi verehrt wird ("das Allerheiligste"). Der Name ist eine Erinnerung an das "Offenbarungszelt" (Einheitsübersetzung) bzw. die "Stiftshütte" (Lutherübersetzung) des Alten Testaments, die in der lateinischen Bibel tabernaculum testimonii heißt. In ihr wurden die Gebotstafeln Moses (als Allerheiligstes) aufbewahrt.
Zugleich ist das Wort eine Vorwegnahme des "himmlischen Jerusalem" (s. Eschatologie), das als "Wohnung Gottes bei den Menschen" (tabernaculum Dei cum hominibus) bezeichnet wird (Offb. 21,3). Entsprechend seiner Bedeutung wird das Tabernakel seit der Gotik auf unterschiedlichste Art künstlerisch ausgestaltet und ist auch in modernen katholischen Kirchen ein Blick- und Andachtszentrum.
Quelle: wikipedia.de

 

tele-
Wortbestandteil in vielen Zusammensetzungen, aus griech. téle 'weit entfernt, in der Ferne'.

 

Telefon n.
aus griech. téle (s.d.) und griech. phoné 'Klang, Stimme, Ton'.

 

Thema n.
aus griech. théma, lat. thema 'Behauptung, Ausspruch'.

 

Wälsch, welsch Adj.
romanisch, italienisch, französisch. Wälsch ist eine Ableitung aus dem Volksnamen Wahle, mit dem die Germanen ihre südlichen und westlichen Nachbarn bezeichneten. Daher auch Wal-Nuss = Nuss der Welschen.

 

Welt f.
[per eMail von Anja Stürzer am 5. Sept. 2007]

Ist meine Lieblings-Etymologie und kommt von indogermanisch "wer-ald", d.h. "Mensch-Zeit"!   :-)

 

Wert m.
zwei
Bedeutungen als Nomen:

1. Flussinsel = erhalten in Ortsnamen wie Finkenwerder oder [Werder Bremen ;-)]: ist kein Witz!

2. ahd. werd, mhd. wert = Kaufpreis, kostbare Ware, Herrlichkeit; Standesehre, Ansehen, Geld, Lohn, Preis; Geltung, Wertschätzung

Das Adjektiv "wert" (engl. worth) hat seinen Ursprung mögl. Im indogermanischen *uert, "drehen , wenden" , erhalten in Bedeutungen wie: nach einer bestimmten Richtung gewendet, gerichtet auf (vgl. abwärts, auswärts usw.) Aus diesem Ursprung hat sich "wert" im Sinne von wertvoll mögl. aus "gewendet" entwickelt und die Bedeutung "einen Gegenwert haben", "ein Äquivalent sein" angenommen. Ist verwandt mit dem Verb "werden".

   

Abkürzungen

(s.d.) siehe dort
Adj. Adjektiv
amerik. amerikanisch
arab. arabisch
Bez. Bezeichnung
d. der / die / das
dt. / Dt. deutsch
engl. englisch
f. femininum (weibliches Nomen)
f. für
frz. französisch
griech. / Griech. griechisch 
Intj. Interjektion
Jh. Jahrhundert
jidd. jiddisch 
lat. lateinisch
m. masculinum (männliches Nomen)
männl. männlich
n. neutrum (sächliches Nomen)
Plur. Plural (Mehrzahl)
rotw. Rotwelsch (sehr alte deutsche Gaunersprache) 
Vb. Verb
schweiz. Schweizer ... (Adj.)
weibl. weiblich
* Wort ist erschlossen, angenommen, nicht durch Belege bestätigt
   

Quellen: Grimms Wörterbuch Bd. 1-33 ; Hermann Paul, Deutsches Wörterbuch; Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch; Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (dtv); Duden Bd. 7 Herkunftswörterbuch; Siegmund A. Wolf, Wörterbuch des Rotwelschen; Ernst Wasserzieher, Woher?; Lutz Mackensen, Deutsche Etymologie; dtv-Atlas zur deutschen Sprache; Heinz Küpper, Wörterbuch der deutschen Alltagssprache; Knaurs Historischer Weltatlas; Der Große Ploetz, Datenenzyklopädie der Weltgeschichte; Spick - schweiz. Jugendzeitschrift; Matthias Weimer, EURABIA, 1/2013; Wikipedia