Crazy - Rezension OIIIb -2
     
 

Beitrag der Klasse OIIIb des Detlefsengymnasiums Glückstadt

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Zusammengefasste Rezension 1 (aus 4 Texten)

Aller Anfang ist schwer

Benjamin Lebert „Crazy“

Benjamin Lebert war 1999/2000 mit seinen gerade mal 17 Jahren einer der jüngsten Autoren Deutschlands. Er ist am 9. Januar 1982 in Freiburg geboren und lebt jetzt seit 1990 in München. Er hat keinen Schulabschluss und schreibt gelegentlich Texte für „Jetzt“, das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung. „Crazy“ ist der erste Roman des jungen Autors und verkaufte sich bereits in den ersten drei Tagen nach dem Erscheinen mit 10.000 Exemplaren. Noch im gleichen Jahr wurde der Roman von Christian Schmid erfolgreich verfilmt. Dieser große Erfolg hing stark von der guten Kritik ab, die Lebert noch vor dem Erscheinen des Romans bekam. Das bekannteste Beispiel ist Elke Heidenreich, die im Spiegel nur Positives schrieb. Dies beeinflusste sicher den guten Verkauf.

Der autobiografisch angelegte Roman handelt von Benjamins erstem und letztem Schuljahr auf dem Internat Neuseelen. Die Hauptfigur in der Internatsgeschichte heißt Benjamin Lebert, ist 16 Jahre alt und halbseitig gelähmt, wie auch der Autor selbst. Er soll nun endlich die achte Klasse schaffen, womöglich auch das Abitur. Als er auf dem Internat ankommt, lernt er eine Jungenclique kennen. Sie besteht aus Janosch, dem Anführer, dem dünnen und dem dicken Felix, Florian, den alle nur „Mädchen“ nennen, und dem introvertierten Troy, ein Bettnässer. Benjamin fügt sich in die Clique ein und merkt schnell, dass auch die anderen Probleme haben und es mehr in seinem Leben gibt als seine Halbseitenlähmung und Sechsen in Mathematik und Deutsch. Sie rauchen, trinken und besuchen nachts heimlich den Mädchenflur. Später brechen sie aus dem Internat aus und fliehen mit dem Bus nach München. Dort treffen sie einen alten Mann, der sie in eine Striptease-Bar mitnimmt.

Die Frage, worum es im Leben eigentlich geht, beschäftigt sie fortwährend. Die Jungs unterhalten sich oft über „Weisheiten“, den Sinn des Lebens und darüber, wie verrückt sie sind bzw. die Welt eigentlich ist ( „Die Welt ist crazy und schön. Und man sollte jede Sekunde ausnützen.“). Wenn Lebert etwas beschreibt, ist alles nur „crazy“ und schön.

Auffällig ist, dass Name und Alter der Titelfigur mit dem Autor identisch sind. Dennoch kann man nicht uneingeschränkt behaupten, dass der Roman autobiographisch ist, da der Autor nicht hundertprozentig mit der Romanfigur übereinstimmt, wie auch schon ein Schüler unserer Klasse anhand einer Internetrezension herausfand. Eine Lektorin soll Lebert den Auftrag gegeben haben, eine Internatsgeschichte zu schreiben, wie auf einigen Internetseiten berichtet wurde. Da er selbst ein Internat besuchte, habe er auch eigene Erfahrungen in den Roman einfließen lassen, der jedoch überwiegend aus ausgedachten Ereignissen bestehe. Dies schrieben zumindest andere Rezensenten. Dafür gibt es allerdings keine genauen Belege.

Der Sprachstil des Romans ist unserer Meinung nach nicht ausgereift genug, um ein Buch zu veröffentlichen. Vielleicht ist es aber gerade auch das, was den Erfolg dieser Lektüre ausmacht, denn wie es aussieht, scheint es stilistischer „Reife“ ja nicht zu bedürfen.
Lebert reiht oft seitenweise Hauptsätze aneinander, die er nie durch Kommata, sondern nur durch Punkte voneinander abtrennt. „Schön gesprochen. Wirklich schön. Man kann nicht klagen. Ich werde den Brief aufheben.“ (Seite 19 unten)
Er verwendet ziemlich häufig umgangssprachliche Ausdrücke, die für einige Leser sexistisch klingen. „nageln“, „vögeln“, „Möpse“, „Titten“.
Es stört außerdem, dass Lebert immer wieder Wiederholungen in seinen Text einbaut, die irgendwann nicht mehr notwendig sind. Dies könnte jedoch auch ein missglückter Versuch sein, ein Stilmittel zu gebrauchen. Beispiele sind: „Wir sind Helden“, „Das Leben ist crazy“ oder „Florian, den alle nur Mädchen nennen“.
Eine weitere Schwäche des Romans liegt darin, dass manche Ausdrücke wie „Muss man denn etwas Altes hinterlassen um etwas Neues zu bekommen?“ mehr nach Kalendersprüchen klingen als nach der großen Lebensphilosophie der heutigen Jugend. Hier muss die oben genannte Lektorin wieder kräftig die Finger im Spiel gehabt haben.
Man muss bei all diesen Kritiken jedoch auch bemerken, dass „Crazy“ der erste Roman von Lebert ist und man es nicht ausschließen sollte, von seinen folgenden Romanen mehr zu erwarten.

Der Vergleich mit anderen Adoleszenzromanen ist uns nach unserer bisherigen Leseerfahrung noch nicht möglich. Wie wir aber aus anderen Rezensionen erfahren haben, scheint der Autor sich sehr an J.D. Salingers „Der Fänger im Roggen“, Hermann Hesses „Unterm Rad“ und an „Die Verwirrung des Zöglings Törleß“ von Robert Musil angelehnt zu haben. Seine kurz auftauchenden Aphorismen ähneln sehr mit den eben genannten Lektüren.
„Crazy“ ist unserer Meinung nach keine gewöhnliche Internatsgeschichte, da die Probleme der Figuren nicht gelöst werden und es kein sogenanntes „Happy End“ gibt, wie in „TKKG“ oder „Burg Schreckenstein“.

Auch wenn Benjamin Lebert mit seinem Roman Jugendliche ansprechen möchte, denken wir, dass man diesen Roman nicht als Schullektüre wählen sollte, denn es wird ausschließlich von den Jungen, ihren Gedanken und Gesprächen berichtet und ist somit eigentlich ein an Jungs gerichteter Text, in dem Mädchen nur als Objekt dargestellt werden.

Nimmt man Leberts Definition, dass „Literatur nur dann Literatur ist, wenn man ein Buch liest und hinter jeden Satz ein Häkchen setzen kann, weil es einfach stimmt“, als Maßstab, kann man seine eigene Erzählung nicht hinzuzählen.

Die Überschrift, die wir für unsere Rezension gewählt haben, ist mehrdeutig zu verstehen. Erstens drücken wir damit aus, dass uns der Sprachstil und die Ausdrucksweise von Benjamin Lebert nicht gefallen. Zweitens durchlebt die Romanfigur Benjamin einen Neuanfang, da er sich in das Leben im Internat eingewöhnen muss. Drittens erlebt Benjamin sein „Erstes Mal“ im Internat, von dem er allerdings nicht viel mitbekommt, da er total besoffen ist. Also kann alles nur noch besser werden.

Obwohl „Crazy“ und auch Benjamin Lebert selbst von vielen Lehrermagazinen hochgelobt wurden, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass „Crazy“ ein eher abschreckendes Beispiel einer Schullektüre ist. Es gibt weitaus bessere.

© Klasse OIIIb (9b) des Detlefsengymnasiums Glückstadt