Crazy - Rezension OIIIb -1
   
 

Beitrag der Klasse OIIIb des Detlefsengymnasiums Glückstadt

zurück

…vielleicht schon ein bisschen zu „crazy“

Der Roman „Crazy“ von Benjamin Lebert handelt von einem 16jährigen Jungen namens Benjamin, der halbseitig fast vollkommen gelähmt ist und große Schwierigkeiten in der Schule hat. Aus diesem Grund wechselt er ständig die Schulen und ist nun auf dem Internat „Neuseelen“ in Bayern. Benni, wie ihn alle nennen, findet schnell Freunde und macht mit diesen fragwürdige Erfahrungen. Es geht darum, Mädchen zu „nageln“, der Sextherapeutin über fiktive Homosexualität zu klagen oder ein Striplokal zu besuchen. Wie Benjamin Lebert in seinem Roman sagt, „ganz normale Dinge, die Jungs in diesem Alter halt tun“.

Benjamins Freunde sind alle auf ihre Weise seltsam. Da ist zum Beispiel Janosch, mit dem Benni sich sein Zimmer teilt. Janosch ist der „Anführer“ der Gruppe und tituliert alles, was ihm gefällt oder merkwürdig ist, als „crazy“. Er erzählt kaum etwas von seinem Zuhause, liebt seine Eltern jedoch über alles.
Dann gibt es noch den „dicken“ und „dünnen“ Felix. Der dicke „frisst“ ständig Süßigkeiten, schwärmt für die „Spice Girls“ und spricht viel über Fußball. Über den „dünnen“ Felix, sowie über Florian, „den alle nur Mädchen nennen“, erfährt man in dem Roman nicht sehr viel.
Last but not least gehört noch Troy zum Team. Er ist Bettnässer und steht meist in der Ecke und sagt kein Wort. Er wirkt geradezu autistisch.
Alles in allem ist es eine sympathische Gruppe von Jungen, die versuchen, sich gegenseitig in dem schwierigen Internatsleben etwas Halt zu geben.

Der Autor Benjamin Lebert wurde 1982 in Freiburg im Breisgau geboren und lebte seit 1990 in München. Neuerdings wohnt er in Berlin. Lebert schreibt gelegentlich Texte für „Jetzt“, das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung.
Lebert schrieb diesen Roman, der für ihn, wie er selbst sagt, „nichts weiter als eine Internatsgeschichte ist“, im Alter von 16 Jahren. Die Erstauflage erschien 1999; in den ersten drei Tagen wurden bereits 10000 Exemplare des dannbald in 33 Sprachen übersetzten Textes verkauft. Im selben Jahr verfilmte Hans Christian Schmidt den Film fürs Kino.

Obwohl Titelfigur und Autor den gleichen Namen tragen, ist nicht eindeutig, ob es sich bei diesem Roman wirklich um eine Autobiographie handelt.
Einige Passagen der Erzählung sind bekannten literarischen Texten sehr ähnlich, zumal herausgefunden wurde, dass Benjamin Lebert von seiner Lektorin Kerstin Gleba darum gebeten wurde, ein deutsches Pendant zu Jerome D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ zu schreiben.
Andere Vergleichstexte sind zum Beispiel Hermann Hesses „Unterm Rad“ oder Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“.

Der Stil des Romans ist fragwürdig. Lebert schreibt seitenweise nur knappe und holprige Hauptsätze und benutzt kaum Nebensätze. Auch sein Wortschatz scheint begrenzt; so ist zum Beispiel auf einer Doppelseite x-mal das Wort „schön“ zu finden (s.72 f.). Die von vielen als passende Jugendsprache gelobten Begriffe wie „Möpse“, „Titten“ und „nageln“ sind unpassend, da sie nicht nur in Dialogen, sondern auch in Erzählerkommentaren verwendet werden. So kann man darauf schließen, dass der Autor nicht nur als Figur, sondern auch als wirkliche Person, Mädchen als Objekte betrachtet.
Es ist beleidigend, so über Mädchen zu sprechen, wie Lebert es in seinem Roman macht. Mädchen und Frauen sind keine materiellen Dinge, welch ein Wunder, sie haben auch Gefühle …!
Auch der versuchte „Running Gag“: „Florian, den alle nur „Mädchen“ nennen“, der sich durch die ganze Lektüre zieht, ist misslungen und stört schon nach dem dritten Mal den Lesefluss. In manchen Passagen des Romans versuchen Benjamin und seine Freunde über das Leben zu philosophieren, dieses allerdings endet nur in einer Sammlung von Binsenweisheiten. So sagt z.B. Benni: „Ich werde nicht alles erreichen, was ich will, aber ich werde alles ausprobieren, was ich kann“.

„Crazy“ eignet sich gut als „kleine Lektüre für zwischendurch“, ist aber als Schullektüre nicht zu empfehlen. Der Text biete zwar zunächst interessante Passagen, sobald man diese jedoch genauer betrachtet, bemerkt man schnell, dass sie keineswegs besprechenswert sind (àBinsenweisheiten). Benjamin Leberts Mut das Buch zu schreiben und zu veröffentlichen ist lobenswert, doch er hätte seine Frage, wen das interessiere, noch etwas weiter ausführen können.

Das Magazin Stern schrieb: „So prägnant hat noch keiner das Drama Jugend auf den Punkt gebracht.“, und Elke Heidenreich lobte in der Zeitschrift Spiegel: „Es ist in zärtliches, uneitles, ein ganz und gar erstaunliches und wunderbares Buch von einem hochtalentierten, sehr jungen Autor.“
Diese Meinung können wir nicht teilen.
Es ist zwar mutig, so offen und detailliert von seinen ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht und seinen Gedanken zu berichten, wie Lebert es getan hat, jedoch wirkt „Crazy“ eher als eine Ausformulierung wilder Gedanken und intimer Phantasien als ein guter Jugendroman.“
Der Autor selbst sagte, dass dieses Buch „keine wahnsinnige Arbeit“ sei, und genau so sollte man sich auch mit ihm beschäftigen, denn mehr als eine leichte Lektüre ist dieser Roman keineswegs.

©Klasse 9b